Das Hauptgebäude des Land- und Amtsgerichts Hechingen von außen (Foto: SWR, Julia Klebitz)

9.000 Euro Geldstrafe

Arzt aus Hechingen wegen falscher Corona-Maskenatteste verurteilt

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Ein Arzt aus Hechingen hatte Kindern Atteste gegen das Tragen von Corona-Masken ausgestellt. Dafür wurde er nun verurteilt.

Das Hechinger Amtsgericht hat einen Arzt aus Hechingen (Zollernalbkreis) verurteilt, fälschlicherweise Maskenatteste für Kinder ausgestellt zu haben. Er muss eine Geldstrafe von 9.000 Euro begleichen. Der Mediziner hat laut Gericht zwischen Herbst 2020 und Frühjahr 2021 Maskenatteste für Kinder geschrieben, die er nicht hätte ausstellen dürfen. Die Kinder hatten in der Praxis des Hechinger Arztes über Übelkeit, Kreislaufprobleme oder Atemnot beim Masketragen geklagt. Woraufhin sie der Angeklagte, wie mehrere Zeugen berichteten, mehrfach untersuchte, unter anderem mit einem Belastungs-EKG und einer Lungenfunktionsmessung.

Messwerte unauffällig

Allerdings zeigten die Messwerte der Kinder laut Auslegung des geladenen Gutachters keine besonderen Auffälligkeiten. Er hielt zudem die Art der Tests für ungeeignet. Die Verteidigerin des Arztes hielt dem entgegen: Ihr Mandant habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und in einigen Fällen auch Atteste abgelehnt. Sie forderte Freispruch.

Lediglich sechs Fälle nachweisbar

Das Gericht verurteilte den Arzt zu einer Geldstrafe von 9.000 Euro. In der Arztpraxis waren Akten von fast 500 Patienten, die ein Maskenattest bekommen hatten, beschlagnahmt worden. Elf Fälle kamen schließlich zur Anklage. Für sechs von ihnen wurde der Mann nun verurteilt. Der Angeklagte war auf Portalen im Internet aufgeführt, als Arzt der Atteste ausstellt. Einem Rektor einer Schule in Walddorfhäslach (Kreis Reutlingen) war aufgefallen, dass Schüler verdächtig ähnlich klingende Maskenatteste vorlegten. Sie stammten offenbar alle aus derselben Hechinger Arztpraxis.

Von "Querdenkern" instrumentalisiert

Laut Verteidigerin sei der Arzt von Anhängern der "Querdenken"-Szene instrumentalisiert worden. Der Staatsanwalt sagte dem SWR, dass in vielen Attesten lediglich "kann aus gesundheitlichen Gründen keinen Mundschutz tragen" oder Ähnliches stand. So habe es keinen Anhaltspunkt gegeben, diese Gründe weiter zu untersuchen. Rund 100 Fälle wurden genauer untersucht. Elf kamen schließlich zur Anklage

Weiterer Prozess gegen Ärztin

Von den ursprünglich elf Fällen wurden fünf eingestellt. Unter anderem weil sich herausstelle, dass ein Kind eine schwere Lungenerkrankung hat und ein anderes unter Asthma leidet. Diese Diagnosen standen wohl nicht explizit im Attest. Bei anderen Attesten ging es um Posttraumatische Belastungsstörungen und andere psychische Erkrankungen, die aber weitere Gutachten erfordert hätten. Zwei weitere Ärztinnen aus Hechingen sind ebenfalls ins Visier der Ermittler geraten. Eine Ärztin muss sich demnächst in einem Prozess vor dem Hechinger Landgericht (Zollernalbkreis) verantworten.

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SWR