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Der baden-württembergische Landtag hat in Grafeneck bei Gomadingen (Kreis Reutlingen) der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Dort waren 1940 über 10.000 Menschen ermordet worden.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Auf dem Gelände des heutigen Samariterstifts begann 1940 der systematische und planmäßige Mord an Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistiger Behinderung, begründete Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) die Wahl Grafenecks für die Gedenkstunde. Grafeneck sei Modell und Teil der industriellen Ermordung im Nationalsozialismus gewesen.

Organisationszentrale der Euthanasie

Im Rahmen der geheimen NS-Euthanasieaktion mit dem Namen T4 wurde das ehemalige Jagdschloss zur Organisationszentrale. Im Schlosspark wurden eine Gaskammer, ein Krematorium und eine Schlafbaracke gebaut. Graue Busse brachten die Menschen aus den Kliniken und Heimen nach Grafeneck auf die Alb. Dort wurden sie ermordet.

Gedenkstätte am Samariterstift in Grafeneck (Foto: SWR, SWR - Charly Kowalczyk)
Gedenkstätte am Samariterstift in Grafeneck SWR - Charly Kowalczyk

Aras: "Erinnerung ist aktuell"

Erinnerung sei mehr als Gedenken an die Vergangenheit, sagte Aras in ihrer Rede. Erinnerung sei aktuell. "Kein Mensch darf Nützlichkeitserwägungen unterworfen werden - niemals mehr." Die Grünen-Politikerin lobte Grafeneck als Ort, der Gedenken und Leben vereine. Dort sei unter anderem eine inklusive Wohngruppe des Samariterstifts untergebracht. Dies sei ein "starkes Zeichen", sagte Aras.

Heute gibt es in Grafeneck ein Dokumentationszentrum und ein Mahnmal. Dem organisierten Massenmord an seelisch leidenden, körperlich oder geistig behinderten Menschen und chronisch Kranken fielen bis zum Kriegsende 1945 europaweit nach unterschiedlichen Expertenschätzungen 120.000 bis 250.000 Menschen zum Opfer.

SWR-Dokumentation über Grafeneck von 2019:

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