Drei blaue Gasflammen auf einem Kochfeld, Gasherd, Nahaufnahme. (Foto: imago images, imageBROKER/SimonxBelcher)

Hunderte Kunden von Gas-Vertragskündigung betroffen

Stadtwerke Tübingen und FairEnergie in Reutlingen springen ein und liefern Erdgas

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Wenn im Winter plötzlich der Gas-Anbieter kündigt, dann ist das erstmal ein Schreck. Nach dem Aus des Energiversorgers gas.de haben die Stadtwerke in Reutlingen und Tübingen die Kunden übernommen.

Der Gasanbieter gas.de hatte in der vergangenen Woche von heute auf morgen seinen Kundinnen und Kunden gekündigt. Davon betroffen sind über 500 Kunden in Reutlingen, 200 Kunden in Tübingen und 130 in Albstadt. Der Grund: Auf seiner Internetseite schreibt das Unternehmen, man sehe sich wegen der "historisch einmaligen Preisentwicklung im Erdgasmarkt" gezwungen, alle Erdgaslieferverträge zu beenden.

Das Aus des Energieanbieters ein Einzelfall?

Auch andere Energieanbieter haben sich offenbar in den vergangenen Monaten vom Markt verabschiedet. Sebastian Rudischer, Abteilungsleiter Vertrieb und Service bei den Stadtwerken Tübingen, geht davon aus, dass noch mehr Gaslieferanten wegen der hohen Erdgas-Preise Probleme bekommen.

"Anbieter, die ähnlich wie gas.de Erdgas beschaffen, könnte es auch treffen. gas.de ist vermutlich nicht der letzte Anbieter, der seine Versorgung einstellen muss."

Grund- und Ersatzversorger müssen einspringen

Wenn Energieanbieter ihre Kunden nicht mehr beliefern können, die Verträge kündigen und dadurch die Kunden kein Gas mehr für Heizung oder Herd bekommen, muss der örtliche Grund- und Ersatzversorger einspringen. Dazu ist er gesetzlich verpflichtet bei Erdgas und auch bei Strom. Im Fall der Tübinger Kunden sind das die Stadtwerke, im Fall der Reutlinger Kunden ist das FairEnergie. Auch die Stadtwerke Sigmaringen liefern zurzeit ersatzweise an 23 Kunden Erdgas.

Die Reutlinger FairEnergie, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke, weist darauf hin, dass die Ersatzversorgung maximal drei Monate dauere. Während dieser Zeit könnten die Kunden jederzeit einen neuen Lieferanten beauftragen.

Hand dreht an Heizungsregler (Foto: SWR)
Damit niemand frieren muss: Grund- und Ersatzversorger springen ein, wenn der eigentliche Gas-Anbieter nicht mehr liefert.

Hunderte Kunden mehr ein Kraftakt für die Grund- und Ersatzversorger

200 Kunden mehr von jetzt auf gleich ist auch für Unternehmen wie die Stadtwerke Tübingen keine Kleinigkeit. Vetriebschef Sebastian Rudischer erklärte im SWR-Interview, dass die Stadtwerke nun auch dem heftigen Preiskampf ausgesetzt seien, um die zusätzlichen Kunden versorgen zu können.

"Wir haben es gerade mit Preisen zu tun, die vier- oder fünfmal so hoch sind."

Wie kommen die Stadtwerke schnell an mehr Erdgas?

Die Energie-Beschaffung läuft über die Energiebörse "European Energy Exchange" (EEX) mit Sitz in Leipzig. Das funktioniere dort so ähnlich wie auf dem Aktienmarkt, sagt Rudischer. Konkret heißt das, die Beschaffer der Stadtwerke rufen in Leipzig an und sagen, welche Menge an Gas oder Strom sie für den Folgetag oder für die folgenden Monate brauchen, um damit die Kunden zu beliefern.

Müssen Stadtwerke-Kunden jetzt mehr Geld bezahlen?

Da die Tübinger Stadtwerke die hohen Preise nicht an ihre Bestandskunden weitergeben möchten, wurde kurzfristig für diesen Fall ein neuer Grund- und Ersatzversorgungstarif aufgelegt. Damit wurde laut Vertriebsleitung ein Teil der hohen Beschaffungskosten berücksichtigt.

Wie arbeiten die Stadtwerke im Vergleich zu gas.de?

Es gibt unterschiedliche Strategien, um als Versorger Erdgas oder Strom für die Kunden zu beschaffen. Die Stadtwerke Tübingen gehen laut eigenen Angaben sehr konservativ vor.

"Wir beschaffen unser Gas sehr langfristig, den Strom sogar teilweise über Verträge, die für mehrere Jahre abgeschlossen wurden."

Andere Gasanbieter kauften heute Erdgas ein und verkauften es gleich morgen oder übermorgen wieder, so Rudischer. Für diese Anbieter würden die extrem gestiegenen Erdgaspreise zu einem wirtschaftlichen Problem. Als einen Grund für den enormen Preisanstieg nennt er den seit Anfang des Jahres eingeführte CO2-Preis. Außerdem tragen der Streit um die Gaspipeline und der Konflikt zwischen Russland und Ukraine zu dem enormen Anstieg der Energiepreise bei, beobachtet Rudischer.

Was empfehlen Verbraucherschützer?

In den vergangenen Jahren wurde Kunden immer geraten, Preise zu vergleichen und Anbieter immer wieder zu wechseln. Grundsätzlich biete es sich immer an, Preise zu vergleichen, sagt Sebastian Rudischer von den Stadtwerken. Er warnt aber davor, auf den günstigsten Anbieter zu setzen. "Der billigste ist meistens nicht der beste", sagt Rudischer.

Energieexperten wie Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz meint, dass sich Anbieter-Wechsel mit Einsparungen von bis zu 30 Prozent durchaus lohnen können. Aber auch er warnt vor Anbietern mit Dumpingpreisen. Die erhöhten oft nach kurzer Zeit die Preise.

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