Über 25 Jahre Frühchen-Verein - Gefeiert wird später

Corona-Pandemie: Betreuung von Frühgeborenen und Eltern in Reutlingen schwieriger

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Seit über 25 Jahren kümmert sich der Frühchen-Verein Reutlingen um die Belange von Frühgeborenen. In Zeiten von Corona eine Herausforderung, so die Vorsitzende Sabine Dörr im SWR.

Sabine Dörr, Vorsitzende Frühchen e.V. Reutlingen (Foto: privat)
Sabine Dörr, Vorsitzende Frühchen e.V. Reutlingen privat

SWR4-Moderatorin Bärbel Schlegel: Was würde denn fehlen, wenn es Ihren Frühchen-Verein nicht gäbe?

Sabine Dörr: Ich glaube, wir sind als Vertreter für die Eltern, für die Ärzte, Schwestern und Therapeuten aktiv eingestiegen, die Interessen für die früh geborenen Kinder und deren Eltern zu vertreten und vielseitig zu unterstützen. Aber was uns fehlt, sind die direkten Begegnungen derzeit. Wir haben im Moment die Situation, dass wir eben nicht auf Station gehen können, nicht mit den Eltern und Ärzten vor Ort sprechen können oder Hilfestellungen geben können. Wir versuchen das natürlich immer begleitend durch telefonische Betreuung der Eltern, die ganz neu Frühchen-Eltern geworden sind. Das gelingt schon gut, aber vor Corona gelang es uns besser. 

Erklären Sie mir es mal als Nichtfrühchen-Mutter. Warum ist es so wichtig, dass Sie Kontakt mit den Eltern halten? 

Also, wenn man sich in die Situation der Eltern versetzt, sind die in den meisten Fällen davon überrascht, dass die Schwangerschaft zu Ende und das Kind auf der Welt ist. Insofern sind sie dankbar, wenn sie Kontakte zu anderen haben, die die Erfahrung mit der Situation und dem Thema auch schon gemacht haben. 

25 Jahre Frühchen Verein - was war ein Meilenstein? 

Das sind tatsächlich ein paar Meilensteine: Wir haben für die Kinder auf den Stationen in der Reutlinger Kinderklinik vieles erreicht: Inkubatoren und die Beleuchtung auf Station, Frühchen-Wäsche. Es gab früher für Frühgeborene nur Kleidung, die selbst genäht war, oder Puppenkleider, die man verwendet hat. Da haben wir uns dann gekümmert, dass wir einen Hersteller finden, der für frühgeborene Kinder geeignete Babykleidung hergestellt hat.

Blick in einen Inkubator in einem Patientenzimmer auf der Neonatologie (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Hendrik Schmidt)
Blick in einen Inkubator in einem Patientenzimmer auf der Neonatologie picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Hendrik Schmidt

Zimmer für Eltern von Frühgeborenen in Reutlingen

Wir haben mit Lothar Späth, dem damaligen Ministerpräsidenten, realisieren können, dass wir für die Eltern auf dem Klinikgelände ein Eltern-Zimmer einrichten konnten. So konnten die Eltern, die nicht in Reutlingen wohnten, auch mal über Nacht bleiben. Und wir haben viel für die Aus- und Weiterbildung getan.

Begleitung bis zum Erwachsenenalter

Wir haben die Kinder und Eltern nicht nur in der Zeit auf der Station betreut. Sondern wir begleiten die Familien auch in der Nachsorge. Wir sorgen auch dafür, dass die Kinder, sollten sie ein Handicap haben, in integrative Kindergärten kommen. Wir freuen uns auch über vielfältige Kontakte zu unseren erwachsenen oder heranwachsenden Frühgeborenen. Die können in ein Projekt hineinkommen. Das nennt sich "Stark wie Zwei". Das haben wir mit der TSG Reutlingen inklusiv gestartet. Frühchen e.V. setzt sich also von der Phase 1, also der Entbindung und dem Kind auf Station, bis hin zum Erwachsenenalter ein, kümmert sich und begleitet die Eltern und Kinder. 

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