Zwei Jahre nach dem ersten Lockdown

Corona-Politik: Landrat von Freudenstadt fordert Aufarbeitung

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Schulschließungen, Lockdowns und Kontaktbeschränkungen mussten anfangs sein, sagt Freudenstadts Landrat Rückert (CDU). Aber nun sei zu klären, was tatsächlich geholfen und was geschadet hat.

Die Corona-Verordnungen hätten teilweise schwerwiegende Folgen gehabt, die es nun aufzuarbeiten gelte, sagte Klaus Michael Rückert dem SWR. Zu viele Akteure in Politik, Wissenschaft und Medien hätten den Leuten Angst gemacht. Wenn sich etwa Krebs- und Herz-Kreislauf-Patienten nicht mehr ins Krankenhaus getraut hätten, seien die Folgen gravierend gewesen.

Klaus Michael Rückert (Foto: SWR)
Freudenstadts Landrat Klaus Michael Rückert drängt darauf, Fehler in der Pandemie aufzuarbeiten.

Psychische Folgen der Schulschließungen

Die Schulen seien viel zu lange geschlossen gewesen, meint Rückert. Die Folge seien jetzt schon Angststörungen, Depressionen und Esstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Er rechne mit weiteren psychischen und sozialen Schäden.

Analyse soll künftige Fehler vermeiden

Um aus Fehlern im Umgang mit der Pandemie zu lernen, müssten Experten aller betroffenen Fachgebiete nun das Für und Wider der Verordnungen analysieren. Dann könne man auf künftige Ereignisse besser vorbereitet sein, so der Freudenstädter Landrat.

Gesundheit ist mehr als Virusbekämpfung

Dabei gehe es nicht darum, jemandem Schuld zuzuweisen. Das Ziel müsse sein, es in Zukunft besser zu machen, stellte Rückert klar. Falsch sei es, von Angst getrieben, einem einzigen Ziel hinterher zu rennen und dabei anderes aus den Augen zu verlieren. Gesundheit sei umfassend, und dabei gehe es nicht nur um Corona.

Beate Gaiser Dehoga Freudenstadt (Foto: SWR, Markus Beschorner)
Beate Gaiser, Dehoga-Vorsitzende im Kreis Freudenstadt, fordert mehr Planungssicherheit. Markus Beschorner

Auch Beate Gaiser, Vorsitzende des Dehoga Freudenstadt, geht davon aus, dass Fehler gemacht wurden. Hotelerie und Gastronomie seien fälschlich als Pandemietreiber betrachtet und mit besonders harten Auflagen belegt worden. Sieben Monate Schließung am Stück - das müsse man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Diese Zeit habe Spuren hinterlassen, auch bei ihr.

Gastronomen wollten schaffen, betont Gaiser, die wollten keine Hilfsgelder, sondern die Möglichkeit, selbst ihr Geschäft zu machen. Dazu sei aber Planbarkeit nötig. Es gehe nicht an, dass freitagabends neue Regelungen erlassen würden, die dann ab Samstag gültig seien.

Gastronomen von Gästen beschimpft

Diese Regeln seien dann auch Gästen schwer zu vermitteln. Gaiser berichtet, dass viele viele Gastronomen beschimpft und beleidigt worden seien. Sie selbst habe anonyme Briefe, Anrufe und Mails bekommen. Das sei alles unheimlich anstrengend und kräftezehrend gewesen.

Schnelles Fördergeld half

Es habe aber auch Positives gegeben im Umgang der Politik mit der Pandemie. Die Stabilisierungshilfe etwa, Fördergeld des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums bei finanziellen Engpässen im Hotel- und Gaststättengewerbe, sei schnell gelaufen und habe gut funktioniert.

Planungssicherheit wichtig

Auch das Stufensystem, das festlegt, bei welcher Inzidenz und welcher Belegung der Intensivstationen bestimmte Einschränkungen in Kraft treten, sei ein gutes Instrument. Damit könne ein Unternehmen immerhin planen.

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