Eine Gruppe von Feuerwehrleuten aus Baden-Württemberg in Griechenland im Rahmen einer Übung, Schulung nach einem Einsatz zum löschen eines Waldbrandes. (Foto: privat/Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg)

SWR-Gespräch mit Stefan Hermann

Waldbrände in Griechenland: Kreisbrandmeister aus dem Zollernalbkreis löscht mit

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AUTOR/IN
Peter Binder
ONLINEFASSUNG
Anette Hübsch

Eigentlich wollte sich Stefan Hermann, Kreisbrandmeister aus dem Zollernalbkreis, auf der griechischen Peloponnes schulen lassen. Doch dann fing es an zu brennen und er war im Einsatz.

SWR Aktuell: Herr Hermann, Sie sind bei einem EU-weiten Pilotprogramm zur Waldbrandbekämpfung derzeit in Griechenland - zur Schulung sozusagen. Doch das 15-köpfige deutsche Team, das seit einer Woche dort ist, war dann auch im Einsatz bei den Waldbränden. Was genau gab es für Sie zu tun?

Stefan Hermann: Wir waren mit den griechischen Kollegen draußen und konnten da gut anpacken. Wir haben die Griechen insbesondere bei den Nachlöscharbeiten unterstützt. Für uns war das die Chance, uns an dieses Thema heran zu tasten. 

Nachlöscharbeiten heißt dann zum Beispiel Glutnester beseitigen - also nicht löschen, wenn es richtig brenzelig wird? 

Wir sind eine Einheit, die teilweise sehr lange Anfahrtszeiten hat. Das heißt, wir kommen nicht in dem Moment, in dem der Wald in Vollbrand steht, sondern erst später zum Aufarbeiten der ganzen Bereiche, in denen es gebrannt hat. Wir kontrollieren, und wenn es wieder aufflammt, können wir eingreifen. 

Was auch sehr wichtig ist, weil es ja immer wieder passiert, dass man glaubt, einen Waldbrand gelöscht zu haben, und dann geht es doch wieder los. Haben Sie da jetzt schon erste Erfahrungen sammeln können in den Tagen, die sie da sind? 

Für uns Feuerwehrleute aus Deutschland ist es schwer einzuschätzen, wie sich so ein Waldbrand mit der Vegetation hier entwickelt. Wir haben aber schon Situationen gehabt, in denen wir dann das Aufflammen gerade noch mal in Griff kriegen konnten. Das ist für uns eine große Chance, dass wir uns hier die Taktik der griechischen Kollegen anschauen können, dass wir etwas dazulernen können. Die Griechen sind solche Brandsituationen ja besser gewohnt als wir bisher. 

Sind das Situationen, die man auf Wälder im Zollernalbkreis übertragen kann? 

Wir hoffen, dass das nicht der Fall sein wird, aber unter dem Stichwort Klimawandel und globaler Erwärmung rechnen wir schon mit einer erhöhten Waldbrandgefahr. Und die erlernte Taktik hier, die kann uns dann schon weiterbringen. Die Griechen arbeiten mit deutlich weniger Personal und müssen sehr viel Wasser sparen. Das heißt, sie nehmen kleine Schläuche, mit denen sie dann aber sehr mobil sind. Und dann geht es ziemlich weit in die Wälder zu Fuß rein. Das könnte eine Taktik sein, die wir gegebenenfalls dann auf der Schwäbischen Alb brauchen, wenn wir nur noch zu Fuß voran kommen. 

Kann man nicht auch mit dem Flugzeug löschen?

Wenn wir hier im Einsatz waren, gab es auch immer Unterstützung aus der Luft. In Deutschland haben wir keine Löschflugzeuge. Das macht für unseren Bereich auch wenig Sinn. Wir bekommen in Deutschland auf Anforderung dann Unterstützung von der Polizei, also Hubschrauber, die auch Löschwasserbehälter haben. Aber Flugzeug oder Hubschrauber alleine löschen ein Feuer nicht. Sie können nur unterstützen. Man muss schon am Boden direkt löschen. 

Wie funktioniert die Verständigung mit den griechischen und Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern? Es sind ja sechs Länder insgesamt beteiligt. 

Wir hatten bisher im Einsatz nur Kontakt mit den griechischen Kollegen. Da funktioniert es mit Englisch sehr gut. Die Griechen haben uns zwei Verbindungsoffiziere zur Verfügung gestellt, die dann die Verbindung zu den griechischen Einheiten herstellen. Das Übersetzen zwischen Englisch, Griechisch und Deutsch kriegen wir ganz gut hin. Da geht keine Zeit verloren. 

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