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Die Europäische Union will sich den potenziellen Corona-Impfstoff des Tübinger Biotechunternehmens Curevac sichern. Zunächst geht es um 225 Millionen Impfdosen.

Die Europäische Kommission hat am Donnerstag Sondierungsgespräche mit Curevac abgeschlossen. Dabei gehe es um den Kauf von zunächst 225 Millionen Impfstoffdosen, teilte die Kommission mit. Laut Curevac sieht der geplante Vertrag zudem eine Option auf den Kauf von weiteren 180 Millionen Dosen vor. Der Vertrag würde es allen EU-Mitgliedstaaten erlauben, den Impfstoff zu kaufen sowie diesen an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu spenden oder in andere europäische Länder zu senden. Die Kommission führe zudem intensive Gespräche mit anderen Impfstoffherstellern.

Von der Leyen: "Bald" feste Vereinbarung mit Curevac

Beim Pharmakonzern AstraZeneca hat sich die Europäische Union bereits den Kauf von 300 Millionen Impfstoffdosen gesichert, mit der Option zum Kauf von 100 Millionen weiteren Dosen. Mit Sanofi und GlaxoSmithKline sowie dem US-Arzneimittelhersteller Johnson & Johnson hat die Kommission bereits Sondierungsgespräche geführt.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geht davon aus, dass ihre Behörde mit Curevac "bald" eine feste Vereinbarung treffen werde. "Unsere Verhandlungen mit anderen Unternehmen werden fortgesetzt, um die Technologie zu finden, die uns alle schützt." Tatsächlich ist nicht sicher, dass alle Impfprojekte zum Erfolg führen oder schnell eine Lieferung eines wirksamen Mittels gegen Covid-19 ermöglichen. Ziel der EU-Kommission ist es, binnen 12 bis 18 Monaten wirksame und erschwingliche Impfstoffe für alle EU-Bürger zu sichern.

Blaue Flüssigkeit wird in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac pipettiert. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Curevac will seinen Corona-Impfstoff ab September oder Oktober in Brasilien testen. picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Curevac führt derzeit klinische Studie durch

Das Tübinger Unternehmen Curevac hatte Mitte Juni von den deutschen Aufsichtsbehörden grünes Licht für eine klinische Studie mit einem möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus erhalten. Der Bund war im Juni auch mit rund 300 Millionen Euro selbst bei dem Unternehmen eingestiegen. Anfang Juli erhielt Curevac zudem eine Kreditzusage in Höhe von 75 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank (EIB). Curevac nutzt bei der Impfstoffentwicklung die sogenannte RNA-Technologie. Der genetische Bauplan für modifizierte Virus-Bestandteile wird dabei in den Körper injiziert. Zellen nehmen diese Erbinformation auf und produzieren daraus harmlose Erregerteile, worauf das Immunsystem reagiert. Es speichert die Immunantwort ab, die später gegen eine echte Infektion schützt.

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