Das neue Heidengrabenzentrum ist eröffnet: In dem Museum auf der Schwäbischen Alb können Besucher in das ehemalige Leben der Kelten eintauchen.

Kulturdenkmal von europäischem Rang

Kelten erleben auf der Alb: Heidengrabenzentrum eröffnet

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Anne Schmidt
Anne Schmidt ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

Keltenfans haben auf der Alb eine neue Anlaufstelle. Auf dem Plateau zwischen Hülben und Grabenstetten (Kreis Reutlingen) ist am Freitag das Heidengrabenzentrum eröffnet worden.

Wer zwischen Erkenbrechtsweiler (Kreis Esslingen), Grabenstetten und Hülben wandert, befindet sich auf geschichtsträchtigem Boden. Auf dem Plateau oberhalb der Stadt Bad Urach, am Albtrauf, befand sich einst die größte keltische Siedlung Mitteleuropas. Besucher können auf der Alb hautnah den Alltag der Kelten erleben. Im neu eröffneten Heidengrabenzentrum.

Auf keltischem Wagen virtuell durch Keltenstadt

Das Museum mit Glasfront wurde angelehnt an einen keltischen Grabhügel in die Erde gebaut. Es ist das Herzstück des Erlebnisfeldes Heidengraben. Auf 350 Quadratmetern Ausstellungsfläche können Besucherinnen und Besucher interaktiv in die Welt der Kelten eintauchen.

Ein besonderes Highlight ist eine virtuelle Fahrt auf einem keltischen Wagen durch das Zentrum der Keltensiedlung, entlang an Wagenmachern, Weinhändlern oder imposanten Zangentoren. Diese schützten das keltische Oppidum einst vor Eindringlingen.

Kino im Heidengrabenzentrum zeigt Alltag der Kelten

In einem kleinen Kino im Heidengrabenzentrum erfahren die Museumsbesucher, wie die Kelten im damaligen Oppidum, der stadtähnlichen Siedlung, lebten. Funde aus dem Heidengraben wie eine Kette aus Eisen, die als Aufhängung für einen Kessel diente, oder eine Nachbildung eines Drehmühlsteins zeugen davon, dass die Kelten auf der Schwäbischen Alb einst Landwirtschaft betrieben. Und dass sie offensichtlich einen Sinn für schöne Dinge hatten: Auf den Äckern wurde wertvoller farbiger Glasschmuck gefunden, der aus der frühkeltischen Zeit stammt.

Schmuck der Kelten im Heidengrabenzentrum: Dieser spätkeltische Glasschmuck lag auf Ackerflächen des Heidengrabens auf der Alb.
Dieser spätkeltische Glasschmuck lag auf Ackerflächen des Heidengrabens. Markantes Highlight: die zweifarbige Glasringperle.

Keramik, Stoffe und Schmuck der Kelten entdecken

An vier Marktständen aus Holz, die mit digitalen Bildschirmen hinterlegt sind, können Besucher typische keltische Waren wie Keramiktöpfe, Stoffe und Schmuck entdecken. Avatare von Kelten an Bildschirmen erzählen Begebenheiten aus dem Alltag.

So wurden am Keltengraben Amphoren gefunden, die darauf hindeuten könnten, dass es offenbar auch eine wohlhabendere Schicht in der Siedlung gab. Sie ließen sich in den Amphoren Wein aus Mittelitalien liefern. Forscher vermuten, dass mindestens 160 dieser Transportgefäße mit je 20 Litern Inhalt auf die Alb gebracht wurden.

3,8 Millionen für größte spätkeltische Siedlung Europas

Mit 17 Quadratkilometern gilt der Heidengraben als größte befestigte spätkeltische Siedlung Europas. Deshalb hat das Land Baden-Württemberg im Rahmen der Keltenkonzeption das Informationszentrum mit rund 1,8 Millionen Euro gefördert. Weitere zwei Millionen Euro hat der Bund im Rahmen des Förderprogramms „Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Deutschland“ (INK) beigesteuert.

Neben dem Heidengrabenzentrum umfasst das „Erlebnisfeld Heidengraben“ noch einen Kelten-Erlebnispfad und einen 18 Meter hohen Aussichtsturm in unmittelbarer Nähe zum Informationszentrum.

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