Olympia-Skirennfahrerin auf Urlaubsbesuch

Emma Aicher bei Oma und Opa in Mahlstetten

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Vor kurzem hat sie noch bei den Olympischen Winterspielen die Silbermedaille geholt. Jetzt besucht die 18-jährige Emma Aicher ihre stolzen Großeltern in Mahlstetten auf der Alb.

Oma Irma und Opa Franz Aicher strahlen, wenn sie an ihr erstes "Enkele" denken. Sie geben es nur vorsichtig, schwäbisch-zurückhaltend zu, aber ab und an platzt es schon aus ihnen heraus: Sie sind stolz auf ihre Emma, was sie schon alles auf den Skiern geleistet hat und wo sie überall auf der Welt gewesen ist. Irma und Franz Aicher sind in ihrem Heimatdorf in Mahlstetten (Kreis Tuttlingen) geblieben, auch wenn der 75-jährigen Irma Aicher Schweden, die Wahlheimat ihres Sohnes mit Familie, sehr gut gefällt. Den Familiennamen Aicher hat Emma mit ihren erfolgreichen Skirennen und ihrer Silbermedaille im Teamwettkampf bei Olympia 2022 weltbekannt gemacht.

Emma Aicher sitzt mit ihrem Bruder und ihrem Vater bei den Großeltern in Mahlstetten am Esstisch. Es gibt schwäbische Hausmannskost. (Foto: SWR)
Von den Spätzle und der selbst gebackenen Donauwelle von Oma Irma können Emma und ihr Bruder Max gar nicht genug kriegen. Papa Andreas ist auch dabei.

Kindheitserinnerungen und Lieblingsessen von Emma Aicher

Während die 18-jährige Emma Aicher bei vielen Fragen eher zurückhaltend und im Gegensatz zu ihren Großeltern wenig redselig antwortet, sprudelt es sofort aus ihr heraus bei der Frage, was sie mit den Urlaubstagen bei Oma und Opa in Mahlstetten verbindet, woran sie sich auch aus Kindertagen erinnert. Sie strahlt: "Im Heu in Opas Schuppen übernachten und mit Opa mit dem Traktor fahren!" Und das Lieblingsessen von Oma? Ganz klare Sache: Pfannkuchen mit Erdbeersoße, dicht gefolgt von Spätzle.

Olympia-Sportlerin Emma Aicher sitzt mit ihrem Opa im Traktor in Mahlstetten. Im April 2022 besuchte sie ihre Großeltern. (Foto: SWR)
Seitdem Emma den Führerschein hat, lässt Opa sie selbst ans Steuer. Gemeinsam tuckern die beiden durch Mahlstetten und Emma weist den Opa auf die Straßenverkehrsregeln hin: "Opa, erst gut schauen, dann fahren."

Im Winter Skifahren, im Sommer Mountainbiken

Sobald irgendwo Schnee liegt, sind die Aichers nicht zu bremsen: Skifahren ist angesagt! Wenn möglich, geht ihre Skisaison von November bis April. Gerade sind Emma, ihr Vater Andreas und Bruder Max direkt aus dem Schnee in Engelberg in der Schweiz zu Oma und Opa auf die Schwäbische Alb gekommen. Und im Sommer? Da geht’s die Pisten auf dem Bike runter. "Je schneller, desto besser", sagen Emma und Max fast zeitgleich.

Wenn Oma Irma das hört, wird ihr mulmig. Die Fotos, die sie und ihr Mann immer wieder aus den Bergen zugeschickt bekommen, sind einerseits wunderbar – der Computer ist voll mit Bildern, die Wände zu Hause auch –, andererseits hat sie schon auch manchmal Angst um die Gesundheit ihrer Enkel, vor allem um deren Knochen.

Olympia-Skisportlerin Emma Aicher steht mit ihrem Bruder und ihren Großeltern vor dem Skilift in Mahlstetten. (Foto: SWR)
Für Irma und Franz Aicher eine klare Sache: Emma hat in Mahlstetten das Skifahren gelernt.

Hat Emma Aichers Skikarriere auf der Alb begonnen?

Die Ski-Begeisterung liegt in der Familie. Opa Franz war jahrzehntelang leidenschaftlich auf anspruchsvollen Pisten unterwegs, auch "die Streif" in Kitzbühel ist er schon heruntergefahren. Emma Aicher ist die Ski-Leidenschaft definitiv in die Wiege gelegt worden - nur sie hat sie professionalisiert. Aber hat die Skikarriere in Mahlstetten am Hang, am Skilift Aggenhausen, begonnen? Opa Franz und Oma Irma sagen klar: Ja! Sie haben sie mit fünf Jahren beim Skikurs in Mahlstetten angemeldet. Es gibt sogar Beweisfotos von damals. Oma Irma habe sie in der Pause außerdem mit Pfannkuchen gestärkt. Aber es soll auch die Stimmen in Engelberg in der Schweiz geben, wo Emma mit ihren Eltern für ein paar Jahre lebte, die den Karriere-Beginn für sich reklamieren.  

Die 5-jährige Olympia-Sportlerin Emma Aicher steht neben anderen Kindern im Skikurs. Der Skilehrer erklärt gerade etwas. (Foto: Privat)
Ganz links in Pink – das ist die fünfjährige Emma Aicher im Skikurs am Hang in Mahlstetten. Privat

Emma Aicher fährt für den SC Mahlstetten

Emma Aicher wuchs in Schweden auf. Doch sie tritt mittlerweile für das deutsche Team an, bei Ski-Abfahrten und Riesenslaloms für den Skiclub Mahlstetten. Dort ist die ganze Familie Mitglied. Opa Franz hat den Verein vor Jahrzehnten mitgegründet. Auch wenn Emma mit dem Skiclub nicht viel verbindet und ihn hauptsächlich von den Urlauben bei ihren Großeltern kennt, passt die Wahl für den SC Mahlstetten für sie. Sie findet es gut, den Ort ihrer väterlichen Wurzeln immer beim Wettkampf dabei zu haben, sagt sie. Der Skiclub hat mit Emma Aicher seine erste Olympionikin und Medaillengewinnerin. Am Ortseingang stehen entsprechende Glückwunsch-Plakate für Emma.

Olympia-Sportlerin Emma Aicher trägt ihren kleinen Bruder huckepack auf dem Rücken. Sie ist gerade zu Besuch in Mahlstetten im Kreis Tuttlingen. (Foto: SWR)
Endlich mal wieder Zeit mit der großen Schwester. Die Auszeit bei Oma und Opa tut ihnen gut. Seitdem Emma im Ski-Internat in Berchtesgaden ist, sehen sich die beiden nur noch selten. Neben Wettkämpfen, Training und Schule (in zwei Jahren steht das Abitur an) bleibt nicht viel Zeit zum Rumalbern mit dem Bruder.

Oma und Opa fiebern immer mit für Emma

Wenn die 18-Jährige bei einem Skirennen an den Start geht – egal bei welcher Meisterschaft –, Oma Irma und Opa Franz sitzen vor dem Fernseher oder Laptop und fiebern mit. Für die Wettkämpfe bei den Winterspielen in Peking sind sie nachts immer extra aufgestanden. Als Oma will sie oft gar nicht hinschauen, wenn ihre Enkelin den steilen Berg runterbrettert.

"Ich mache dann die Augen zu und frage meinen Mann, ob Emma schon unten angekommen ist."

Als Emma beim Mixed-Team-Wettkampf in Peking stürzte, hat sich Oma Irma Sorgen gemacht, ob das noch lange an ihrer Enkelin und ihrem Selbstvertrauen nagt, auch wenn Silber dabei herauskam. Da kann Emma ihre Oma beruhigen: "Hätten wir den vierten Platz gemacht, hätte ich mich sehr geärgert. Aber so kann ich mich über unsere Teamleistung freuen." Irma Aicher ist stolz auf ihre Enkelin. Dass sie mit 18 Jahren das leben und ausleben kann, was sie persönlich will und darin gefördert wird, findet sie bewundernswert. "Sowas gab es bei uns nicht", sagt sie. Und trotzdem wünscht sie sich mit ihrem Mann nichts sehnlicher für Emma, als dass sie trotz des Trubels und Erfolgs so bleibt, wie sie ist – ihre Emma. "Ich bleib immer euer Enkele", sagt Emma Aicher, die jüngste deutsche Teilnehmerin bei Olympia 2022.

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