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Eine kleine Brauerei in Neustetten-Remmingsheim im Kreis Tübingen lässt eine alte Tradition wieder aufleben. Vor der Erfindung von Kühlanlagen wurde das Bier in tiefen Kellern mit Eiszapfen gekühlt. Die hat man im Winter herangezogen, an sogenannten Eisgalgen.

Eigentlich wollte Brauer Martin Schimpf schon im vergangenen Jahr Eiszapfen wachsen lassen. Da hätte das Familienunternehmen sein 150-jähriges Bestehen gefeiert - wenn Feiern möglich gewesen wären.

Eisgalgen (Foto: SWR, Binder)
Kalt muss es sein, damit die Eiszapfen im Sprühnebel nicht tauen, sondern wachsen. Binder Bild in Detailansicht öffnen
Martin Schimpf, Brauer in fünfter Generation, hatte die Idee zu dem Eisgalgen. Binder Bild in Detailansicht öffnen
Um die Kälte gut speichern zu können, müssen die Zapfen noch dicker werden. Binder Bild in Detailansicht öffnen
Was reif ist, wird geerntet - mit dem Holzhammer. Binder Bild in Detailansicht öffnen
Schimpf hofft auf weiteren Frost für seinen Eisgalgen. Binder Bild in Detailansicht öffnen
Durch solche Verbindungsgänge zwischen den Gewölbekellern der Brauerei floss das Schmelzwasser der Eiszapfen früher ab - und konnte dann wohl gleich wieder aus dem Brunnen geschöpft werden. Binder Bild in Detailansicht öffnen

Aber der Winter war auch nicht kalt genug für das Experiment. Dieses Jahr scheint es zu klappen: Auf dem Gerüst aus Tannenstangen wachsen Eiszapfen heran, jeweils über einen Meter lang. Noch sind sie fein und filigran, Schimpf hofft aber, dass sie zu massiven Zapfen zusammenwachsen werden.

Sprühnebel füttert das Eis

Zwei Düsen ganz oben am Gerüst besprenkeln es mit feinem Sprühregen, was von einem Zapfen tropft, bleibt am nächsten Zapfen haften.

Energiesparende Kühlmethode

Je dicker der Eiszapfen, desto zuverlässiger speichert er die Kälte. Ökologisch eine gute Idee, meint Schimpf - im Keller spart er dann Strom zum Kühlen des Brauwassers. Die Arbeitsstunden dürfte man freilich nicht berechnen.

Historische Wurzeln

Aber er geht davon aus, dass seine Vorfahren mindestens 30 Jahre lang, bis etwa 1900, ihr Bier mit dieser Galgen-Technik gekühlt haben. Zusätzlich haben sie wahrscheinlich auch Eis von Weihern und am Neckar geholt.

Tradition bewusst machen

So könnten die Mitarbeiter sehen, wie anstrengend die Arbeit früher war - und Kunden bekämen eine Vorstellung davon, was alles in einem Glas Bier steckt.

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