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Mehrere Monate war das Schwesternhaus in Waldachtal-Heiligenbronn leergestanden. Vor einem Jahr, am 1. Mai 2020 zog eine neue Ordensschwester ein. Sie hatte den Ort im Internet entdeckt - und ihre Chance gewittert.

Schon lange hatte Martina Küting den Wunsch, einen spirituellen Ort mitzugestalten. Sie stammt aus Paderborn und gehört den Ordensschwestern von der Gemeinschaft der heiligen Maria Magdalena Postel im Sauerland an. Im Internet ist sie auf einen Artikel darüber gestoßen, dass die beiden Franziskanerinnen, die den Ort Heiligenbronn im Kreis Freudenstadt bislang geprägt hatten, ihn altershalber verließen.

Nun hat sie selbst in einem von Corona geprägtem Jahr versucht, trotz allem Nähe herzustellen und ansprechbar zu sein - zufällige Gesprächspartnerin für Spaziergänger und Radfahrer, die vorbeikommen, und Unterstützung für Menschen, die bei ihr gezielt Hilfe und Beistand suchen. Wobei das so leicht nicht zu trennen ist. Sie betont, dass man meist vorher nicht sagen könne, in welche Richtung ein Gespräch sich entwickeln werde.

Zwei Menschen treffen sich absichtslos. Und was dann geschieht, das ist manchmal ein Wunder.

Am Zaun des Kräutergartens hat sie Tüten mit Samen aufgehängt - damit die Vorbeikommenden etwas mit nach Hause nehmen können, etwas das wächst und gedeiht und Hoffnung macht.

Ein Jahr Schwester Martina in Heiligenbronn im Waldachtal - Blumensamen am Zaun des Kräutergartens, im Hintergrund Schwester Martina (Foto: SWR, Peter Binder)
Am Zaun des Kräutergartens hängen Tüten mit Blumensamen. Eine Einladung, auch zuhause etwas wachsen zu lassen. Peter Binder

Wachsen darf auch die Glaubensgemeinschaft in Heiligenbronn, wünscht sich die Ordensschwester. Schon jetzt helfen ihr viele Ehrenamtliche im Garten, mit Mesmerdiensten in der Wallfahrtskirche, beim Kirchenputz. Sie geht davon aus, dass eine starke Gemeinschaft auch Außenstehenden Kraft geben kann.

Ein Jahr Schwester Martina in Heiligenbronn im Waldachtal gehen an einem sonnigen Tag auf die Wallfahrtskirche zu.  (Foto: SWR, Peter Binder)
Die ehrenamtliche Helferin Andrea Kaupp mit Schwester Martina Küting. Heiligenbronn soll noch mehr ein Ort für Begegnungen werden. Peter Binder

Willkommen sei jeder - egal, welcher Religion sie oder er angehöre. Sie betrachtet sich auch nicht als einseitig Gebende und Stärkende: Es sei immer ein Schenken und Beschenktwerden, sie selbst empfange auch viel aus den Begegnungen mit Besuchern des Wallfahrtsortes.

Wegen Corona lässt sie sich immer wieder etwas einfallen, um auch ohne direkte Nähe Menschen zu erreichen. Eine Abendandacht hat sie neulich aus der Kirche ins Freie verlegt und mit Kerzen für besinnliche Stimmung gesorgt.

Ein Jahr Schwester Martina in Heiligenbronn im Waldachtal: Mitmach-Angebot Steine gestalten auf dem Emmaus-Weg (Foto: SWR, Peter Binder)
Stifte und Steine am Emmaus-Weg laden dazu ein, eigenen Enttäuschungen und Traurigkeiten nachzuspüren. Offenbar war viele Besucher nicht traurig, sondern dankbar. Peter Binder

Im Gebetsgarten von Heiligenbronn mit seinem Passionsweg hat Schwester Martina einen Emmaus-Weg angelegt, einen Parcour der Hoffnung. Dort können Erwachsene und Kinder auch Steine bemalen, Zettelchen mit kurzen Gebeten mitnehmen oder ihre Sorgen auf Brieflein schreiben.

Lob vom Pfarrer in Freudenstadt

Ihr Vorgesetzter, Pfarrer Anton Bock in Freudenstadt, bezeichnet die Ordensschwester aus dem Sauerland als "Glückstreffer" für Heiligenbronn. Man spüre eindeutig ihr Bedürfnis etwas zu gestalten, ihre Motivation und ihre Spiritualität.

Die Ehrenamtlichen, die sich mit um den Kräutergarten kümmern, beim Kirchenputz helfen oder Mesmer-Aufgaben verrichten, fühlen sich nach einem Jahr mit Schwester Martina schon so vertraut, als sei sie viel länger da. Sie genießen die Leichtigkeit und die Wertschätzung, sagen sie: Wenn man helfen kann, ist es gut und man tut es gerne. Wenn man keine Zeit habe, baue niemand Druck auf, dann sei es eben so.

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