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Das Reutlinger Amtsgericht hat einen Serieneinbrecher zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis für 16 teils schwere Einbrüche mit Diebstahl verurteilt. Hört sich nach einem klassischen Kriminellen an - der Richter sah das anders.

Der Mann hat nachts bei Pizzalieferdiensten, einem Imbiss, bei Lebensmittelgeschäften und anderen Firmen Fenster eingeschlagen oder aufgehebelt und Bargeld gesucht. Zwei Mal war die Beute höher als 1.000 Euro, meist zwischen 100 und 700 Euro, manchmal auch weniger. In der Regel lag der Sachschaden deutlich über dem Wert der Beute.

Bei vier der Taten sah das Gericht eine Waffe im Spiel, weil der Verurteilte einen Hammer dabei hatte, der aber nicht als Waffe zum Einsatz kam. Damit schlug er die Fenster ein.

Mit gestohlenem Geld Drogen gekauft

Das Gericht war überzeugt, dass der 23-jährige Reutlinger die Taten nicht begangen hat, um sich zu bereichern, sondern um seine Drogensucht zu finanzieren. Neben den zweieinhalb Jahren Haft verhängte das Gericht weitere drei Monate Gefängnis wegen Drogenbesitz.

Mit der vergleichsweise milden Strafe würdigte das Gericht, dass der 23-Jährige Reutlinger ein umfassendes Geständnis ablegte. Er gab die Einbrüche in Metzingen, Reutlingen, Pfullingen und Tübingen in den Jahren 2018 und 2019 zu.

Täter ist Vollwaise

Ebenfalls strafmildernd wertete das Gericht die außergewöhnlich schwere Kindheit des 23-Jährigen. Seit er 13 ist, ist er Vollwaise. Sein Vater tötete sich selbst, seine Mutter starb an Krebs. Danach begann sein Abrutsch in die Straffälligkeit - zunächst mit Sachbeschädigungen, mit 15 nahm er erst Cannabis, dann Amphetamin und Kokain. Ohne diese schwere Kindheit wäre sicher vieles anders gelaufen und ohne Drogen wäre es sicher nicht zu den Straftaten gekommen, sagte Amtsrichter Eberhardt Hausch in seiner Urteilsbegründung.

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