Steigende Infektionszahlen und volle Krankenhäuser

Appell des Landrats: dramatische Corona-Lage im Kreis Tuttlingen

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Die Corona-Lage im Kreis Tuttlingen ist dramatisch. Die Fallzahlen explodieren. Die Klinik muss bald Patienten abweisen. Der Landrat wendet sich mit einem Appell an die Bevölkerung.

Ärzte und Pfleger untersuchen einen Patienten auf der Covid-19 Intensivstation (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow)
Die Intensivstationen der baden-württembergischen Kliniken füllen sich immer weiter mit Covid19-Patienten. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow

Man steuere sehenden Auges auf die Katastrophe zu, wenn es nicht gelingt, die Entwicklung zu stoppen, beschreibt Landrat Stefan Bär mit drastischen Worten die Situation im Kreis Tuttlingen. Am Freitag wurden 190 Neuinfektionen gemeldet, betroffen waren 28 von 35 Gemeinden.Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 553. Unterstützt wird Bär von Michael Beck, Oberbürgermeister von Tuttlingen, Rudolf Wuhrer, dem Kreisverbandsvorsitzenden des Gemeindetags, dem Pandemiebeauftragten Matthias Szabo und Sebastian Freytag, dem Geschäftsführer des Klinikums.

Belastung der Pflegekräfte immer schlimmer

Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis das Klinikum Patienten abweisen müsse. Seit Tagen füllen sich sowohl die Normal- als auch die Intensivstation. Am Freitag lagen 20 Covid-Patienten im Klinikum, 5 davon auf der Intensivstation. Es seien immer mehr jüngere Menschen, die behandelt werden müssen. Die meisten seien ungeimpft. Die Belastung für die Pflegekräfte, für die medizinischen Angestellten, für die Ärztinnen und Ärzte werde von Tag zu Tag schlimmer.

Niedrige Impfquote im Landkreis Tuttlingen

Der Landkreis Tuttlingen gehört zu den Landkreisen, in denen die Impfquote unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Mit gut 58 Prozent liegt er sogar noch unter dem niedrigen Schnitt von Baden-Württemberg. Warum sich so wenige im Landkreis impfen lassen, ist unklar. Da es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Impfquote und Zunahme der Infektionen gebe, ist mit weiter steigenden Zahlen zu rechnen, befürchtet der Landrat.

Das Landratsamt Tuttlingen von außen. (Foto: Presse- und Medienstelle Landratsamt Tuttlingen)
Aus dem Landratsamt in Tuttlingen kommen derzeit beunruhigende Corona-Fallzahlen. Presse- und Medienstelle Landratsamt Tuttlingen

Schulklassen und Kita-Gruppen in Quarantäne

Schon jetzt sind einige Schulklassen im Landkreis in Quarantäne, auch mehrere Kindergärten sind betroffen. Neben Ungeimpften tragen vor allem auch Kinder und Jugendliche zur Ausbreitung der Infektion bei. Im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil weise diese Gruppe gerade hohe Werte auf, hieß es aus dem Landratsamt. Kinder und Jugendliche haben selten schwere Verläufe.

Stadt Tuttlingen verschärft Corona-Vorgaben

Deswegen hat die Stadt Tuttlingen angekündigt, ab Montag Kindergartenkinder mindestens zwei Mal pro Woche mit Lolli-Tests zu testen. Städtische Räume werden nur noch eingeschränkt vermietet. Gastronomie-Betriebe werden stärker kontrolliert, damit die Corona-Vorschriften eingehalten werden.

Dringlicher Appell an Ungeimpfte

Auch der Landrat weiß, dass sich auch Geimpfte infizieren und andere anstecken können. Aber die Wahrscheinlichkeit sei um ein Vielfaches geringer. Bär appelliert an Ungeimpfte, sich impfen zu lassen, um nicht andere zu gefährden und das Gesundheitssystem zu belasten.

"Wenn wir die verheerende Entwicklung nachhaltig stoppen wollen, gibt es nur eine Möglichkeit: Wir müssen die Zahl der Impfungen deutlich steigern."

Mobile Impfteams am kommenden Montag am Start

Neben den Impfungen durch niedergelassene Ärzte sollen im Landkreis Tuttlingen demnächst durch mobile Impfteams von montags bis samstags an den immer gleichen Orten Impfungen angeboten werden. Montags: Tuttlingen, dienstags: Spaichingen, mittwochs: Wehingen, donnerstags: Trossingen, freitags und samstags: Tuttlingen. Die beiden Impfteams starten am kommenden Montag. Bisher gibt es außerdem einen festen Termin: am 5. Dezember in Aldingen.

Weniger Kontakte gefordert

Allerdings seien die Corona-Infektionszahlen schon so hoch, dass mehr Impfungen nicht ausreichen würden. Deswegen bittet der Landrat die Bevölkerung ihr Verhalten zu überdenken. So soll man die Notwendigkeit von Zusammenkünften und Ansammlungen größerer Gruppen überdenken und im Zweifel lieber zu Hause bleiben. Konkret nannte Bär im SWR-Interview Fußballspiele oder Veranstaltungen in geschlossenen Räumen.

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