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Anfangs war Curevac ein kleines Startup, nur Kennern und Experten ein Begriff. Nach 20 Jahren ist das Tübinger Biotech-Unternehmen ein weltweit bekannter Impfstoffentwickler.

Obwohl Curevac in den 20 Jahren seiner Geschichte eigentlich noch kein Produkt bis zur Marktreife gebracht hat, sind schon Summen im Milliardenbereich geflossen.

CureVac Schild Logo Gebäude (Foto: dpa Bildfunk, Christoph Schmidt)
Curevac: Aus der Idee eines Doktoranden ist ein großes Unternehmen geworden. Christoph Schmidt

Geldgeber Hopp, Gates und Bundesregierung

Der Milliardär Dietmar Hopp hat in Curevac investiert, die Bill und Melinda Gates Stiftung, dazu gab es dreistellige Millionensummen von Partnern und späteren Kunden und eine halbe Milliarde von der Bundesregierung. Ein großer Teil davon sind Zuschüsse, die das Unternehmen nicht zurückzahlen muss.

Ehemaliger Finanzchef: Andere haben viel mehr Geld zur Verfügung

Und doch sei es nicht viel Geld, verglichen damit, wie andere Biotech-Unternehmen ausgestattet sind. Das schreibt der Mann, der früher für Curevac das Geld rangeschafft hat, der ehemalige Finanzchef Wolfgang Klein in einem Buch, das am Dienstag erschienen ist.

Glaube an den Erfolg - trotz Zweifeln

Er erzählt anekdotenreich die Geschichte einer Karriere von der Studierenden-Firma zum Weltunternehmen. Er habe damals bereits gehofft, dass Curevac mal ein milliardenschweres Unternehmen wird. Allein wegen der neuartigen Technologie. Aber der Glaube sei mit Zweifeln verbunden gewesen. Trotzdem wollte die Gruppe junger Leute, die damals am Start war, etwas bewegen. Getragen wurde die Firma von der Idee. Geld war am Anfang keines da, so Klein. Er hat deshalb auch ein Kapitel "Aus Schneebällen ein Feuer entfachen" genannt. Aus nichts solle was werden und jeder trägt dazu bei.

Das Potential des Botenmoleküls messenger RNA

Alles begann mit einer Doktorarbeit von Gründungsmitglied Ingmar Hörr und der Entdeckung, dass das Botenmolekül messenger RNA medizinisches Potenzial hat. Aber diese Entdeckung, so Klein, habe zunächst kein Geld in die Kassen gespült. Die Wissenschaft musste erst überzeugt werden, denn messenger RNA galt als zu instabil. Investoren schien der Zeitraum von der Idee bis zur Medikamentenentwicklung teilweise zu lang. Da können schon mal zehn Jahre vergehen, so Klein. Die Produktentwicklung braucht viel Zeit und Geld. Dafür müssen die Investoren ein hohes Risiko eingehen. Die Deutschen seien aber nicht sehr risikofreudig. Daher sei Deutschland leider kein guter Entwicklungsstandort, also auch kein guter Standort für die Entwicklung von Medikamenten, so Klein.

Innovationen haben es in Deutschland schwer

Den steinigen Weg auf der Suche nach Unterstützung, den beschreibt Wolfgang Klein in seinem Buch. Und er schreibt auch darüber, dass es Innovationen in Deutschland generell schwer haben. Klein hofft, dass sich junge Menschen im Land künftig mehr trauen.

Medizinische Revolution

Dabei gibt er Einblicke in eine komplexe Technologie und beschreibt die Hürden für Innovation am Standort Deutschland. Die von Curevac in Tübingen erfundene Technologie sei nun dabei, die Medizin zu revolutionieren, sagt er.

Kritik: Curevac brauche länger als Biontech oder Moderna

Kritik, Curevac brauche zu lange, bis sein Impfstoff fertig sei, weist Klein lächelnd zurück. Er meint, es gehe richtig schnell. Vor Covid-19 habe die schnellste Entwicklung eines Impfstoffs vier Jahre gedauert. Verzögerungen gebe es durch Virusvarianten, auf die der Impfstoff auch anwendbar sein soll, und dadurch, dass der Impfstoff in einem einfachen Kühlschrank lagerbar sein soll.

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