Frevel oder versuchter Diebstahl? Hundert Orchideen bei Burladingen abgeschnitten

Die gekappten Blüten einer seltenen Orchideenart lagen in einem Naturschutzgebiet auf der Alb. Inzwischen sind im Internet zwei Knollen aufgetaucht. Ob sie von dort stammen, ist unklar.

Erst kürzlich wurden tausende Orchideen in der Ortenau ausgegraben und gestohlen. Jetzt sind die seltenen Blumen auf der Alb abgeschnitten worden. Gefunden hat man rund hundert Blüten - kreuz und quer verstreut, so die Polizei. Die nur leicht verwelkten Pflanzen lagen neben einem asphaltierten Fahrweg am Rand des Naturschutzgebiets und wurden von einem Passanten entdeckt. Es waren ausschließlich Blüten des seltenen Helm-Knabenkrauts. So heißt die Orchidee, die im Naturschutzgebiet Nähberg zwischen Burladingen-Ringingen und Starzeln (Zollernalbkreis) wächst.

Helmknabenkraut, Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), bluehend auf einer Wiese (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / blickwinkel/M. Kuehn (Archiv))
Das Helm-Knabenkraut picture alliance / blickwinkel/M. Kuehn (Archiv)


Der Fall ist ein wenig rätselhaft. Denn Polizei und Naturschutzbehörde vermuten, dass das Interesse der "Pflücker" nicht den Blüten, sondern den Knollen galt. Diese kann man teuer verkaufen. Bloß: bei dem Fall jüngst im Ortenaukreis hat man deshalb tausende Löcher im Boden gefunden. Bei dem Fall jetzt in Burladingen nicht - kein einziges Loch. Die Polizei vermutet trotzdem, dass auch da professionelle Sammler am Werk waren. Schon in Anbetracht der geernteten Menge sei eine gewerbsmäßige Nutzung der Pflanzen nicht auszuschließen.

Diebstahl-Nachweis schwierig

Die Polizei geht jetzt auch Hinweisen im Internet nach. Im Online-Auktionshaus "ebay" sind zwei Knollen des Knabenkrauts aufgetaucht. Hier liege zwar ein Anfangsverdacht des Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz vor, einen konkreten Bezug zum Diebstahl in Burladingen sei allerdings schwer nachzuweisen, so die Polizei. Der Handel mit den Knollen geschützter wilder Orchideen ist nach dem Bundesnaturschutz-Gesetz strafbar und kann mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden.

Orchidee im Naturschutzgebiet Taubergießen (Foto: SWR)
Eine seltene und geschützte Orchidee (Archivfoto)
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