Bilder von versteckten Kunstwerken auf der Burg Hohenzollern

Seltene Glasplatten im Reutlinger Stadtarchiv gefunden

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AUTOR/IN
Anette Hübsch

Im 2. Weltkrieg versteckten die Nazis Kunstschätze auf der Burg Hohenzollern. Ein Reutlinger Photograph machte Fotos davon. Ein Hobby-Historiker aus Albstadt hat sie entdeckt.

Volker Lässing (li.) und Roland Deigendesch, Leiter des Reutlinger Stadtarchivs. (Foto: SWR, Anette Hübsch)
Der Autor Volker Lässing (li. i. B.) und der Leiter des Reutlinger Stadtarchivs Roland Deigendesch beim Pressetermin in Reutlingen. Anette Hübsch

Im Rahmen einer Recherche für ein Buch über das Kunstdepot auf der Burg Hohenzollern in Hechingen (Zollernalbkreis) stieß Volker Lässing auf den Reutlinger Fotographen Carl Näher. Der hatte Bilder der Kunstschätze gemacht, darunter auch Werke aus Kölner Museen, die vor Bombenangriffen der Alliierten auf der Burg versteckt wurden.

Bisher unentdeckt in Kartons gelagert

Lässing fragte beim Reutlinger Stadtarchiv nach, das über 300.000 Glasplatten des 1981 verstorbenen Reutlinger Fotographen besitzt. Näher war von 1930 bis in die 1960er Jahre ein bekannter zeitgeschichtlicher Fotograf in Reutlingen gewesen. Doch nur ein Teil wurde bisher gesichtet. Nähers Fotos der Kunstwerke aus Kölner Museen lagerten bisher unentdeckt in Kartons. Nach Lässings Anfrage entdeckten die Mitarbeiter des Reutlinger Stadtarchivs den schlummernden Schatz. Am Freitagvormittag wurde er vorgestellt.

Mit Stoffhandschuhen werden vorsichtig Fotoplatten des Fotografen Carl Näher ausgepackt. (Foto: SWR, Anette Hübsch)
Vorsichtig und mit Handschuhen hebt der Leiter des Reutlinger Stadtarchivs den Schatz der Glasplatten von Carl Näher (1901-1981). Anette Hübsch

Alte Fotokunst auf Glasplatten

Feierlich, mit weißen Stoffhandschuhen an den Fingern, zog der Leiter des Reutlinger Stadtarchivs, Roland Deigendesch, vorsichtig eine Glasplatte aus einer leicht vergilbten Papp-Schachtel und hob sie gegen das Licht. Die etwa 3 Millimeter dünne Platte zeigt das Negativ eines Fotos. Das sei eine damals übliche Fototechnik gewesen, so Deigendesch.

Er kam ins Schwärmen, als er die Schätze betrachtete, denn unter den Fotos sind Kunstwerke bedeutender Maler, wie van Gogh, Leonardo, Degas und Renoir.

"Das waren lauter Hochkaräter, Bilder bekannter internationaler Künstler."

Bevor die Kunstwerke nach dem Krieg von der Burg Hohenzollern zurück nach Köln kamen, wurden sie von den Franzosen beschlagnahmt. Sie veranstalteten 1946 in Tübingen eine Ausstellung mit dem Titel: Meisterwerke aus den Kölner Museen und der Württembergischen Staatsgalerie.

Titelseite eines Ausstellungskataloges aus Kölner Museen und der Stuttgarter Staatsgalerie von 1946. (Foto: SWR, Anette Hübsch)
Der Reutlinger Photograph Carl Näher machte die Bilder dieser Ausstellung, die 1946 in Tübingen gezeigt wurden. Anette Hübsch

Mit einer Riesen-Resonanz, über 40.000 Besucherinnen und Besucher kamen. Carl Näher machte damals die Fotos für den Ausstellungskatalog, so Deigendesch. Unter den knapp 80 Kunstwerken waren auch sechs Bilder, die die Nazis aus französischen Museen geholt hatten, erzählt Volker Lässing. Alles hat der Hobby-Historiker in seinem Buch "Das Kunstdepot auf der Burg Hohenzollern" zusammengetragen und niedergeschrieben. Dass er einmal so einen Schatz heben würde, hätte er sich nicht erträumen lassen, so der Berufsschullehrer im Ruhestand. Reutlingens Stadtarchiv will den Fund unbedingt der Öffentlichkeit zugänglich machen. Aber das kann dauern. Denn Personal und Geld sind begrenzt.

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