Menschen demonstrieren mit Plakaten und Lichtern auf dem Plettenberg (Foto: SWR, Nadine Ghiba)

Natur und Menschen vor Schadstoffen schützen

Demo gegen Ausbaupläne von Holcim in Dotternhausen

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Rund 60 Menschen haben gegen den Ausbau des Zementwerks in Dotternhausen (Zollernalbkreis) demonstriert. Sie fürchten Luftverschmutzung und Zerstörung des Naherholungsgebiets am Plettenberg.

"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Luft versaut!", riefen die rund sechzig Demonstrantinnen und Demonstranten. Trotz Wind und Regen versammelten sie sich auf der Aussichtsplattform des Plettenbergs. Mit Lichtern und Plakaten wollten sie gegen die Ausbaupläne des Zementwerks Holcim in Dotternhausen protestieren.

Angst vor schädlichen Emissionen

Schlechte Filteranlagen schädigten die Umwelt und Menschen aus der Region, so eine Sprecherin des Vereins für Natur- und Umweltschutz (NUZ). Der Plettenberg sei ein beliebtes Naherholungsgebiet und Rückzugsgebiet von vielen Tieren, so Beate Zöld vom "Aktionsbündnis Zement - Zollernalb - Tübingen - Reutlingen".

"Wenn Holcim die Süderweiterung erhält, dann wird auch das letzte erhaltenswerte Stück am Plettenberg, das Juwel hier oben, kaputt gemacht."

Der Ausbau des Zementwerks müsse verhindert werden. Das Balinger Landratsamt wird im kommenden Jahr über die Vergrößerung des Abbaugebiets entscheiden.

Schwere Vorwürfe gegen Zementwerke

Da Zementwerke in Deutschland auch Müll verbrennen dürfen, haben die Umweltschützer Sorge, dass mehr Gift in die Luft gelangt, als von den Unternehmen angegeben. Das hätten Messungen von Experten ergeben, so die Aktivisten. Bei einem Vortrag im Herbst hatte der Verein für Natur- und Umwelt Zollernalb (NUZ), Josef Waltisberg, in die Festhalle nach Dotternhausen eingeladen. Der Ingenieur hat über 20 Jahre beim Zementhersteller Holcim gearbeitet. Er war dort für den Umweltschutz zuständig. Heute ist er ein Kritiker der Müllverbrennung in Zementwerken. Er hat selbst Messungen gemacht und auch den Sachverständigenrat der Bundesregierung beraten. Doch an der grundsätzlichen Situation hat sich nichts geändert, das ärgert die Umweltschützer.

Holcim verweist auf hohe Umweltstandards

Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe und verweist auf seine hohen Umweltstandards.

"Holcim arbeitet nach den höchsten Sicherheits- und Umweltstandards weltweit. Es hat sich zum Ziel gesetzt, ein Netto-Null-Unternehmen zu werden. ES hat ein breites Angebot an Green Building Lösungen eingeführt und möchte klimaneutrales Bauen ermöglichen."

Das Zementwerk Dotternhausen zähle zu den fortschrittlichsten Standorten von Holcim, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung auf Nachfrage des SWR.

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