Kundgebung gegen einrichtungsbezogene Impfpflicht in Tübingen am 7.3.2022 (Foto: SWR)

Kundgebung gegen einrichtungsbezogene Impfpflicht

Klinik- und Pflegepersonal zieht durch Tübinger Innenstadt

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AUTOR/IN
Franziska Ehrenfeld

Etwa 1.200 Menschen, vor allem Klinik- und Pflegepersonal, haben in Tübingen am Montagabend gegen die einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht demonstriert.

Die Initiative "Klinik Personal steht auf" will sich gegen die Impfpflicht wehren, die ab dem 16. März zum Beispiel in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gilt. Am Montagabend hatten Beschäftigte des Universitätsklinikums Tübingen zum Protest aufgerufen. Zunächst versammelten sich die etwa 1.200 Menschen für eine Kundgebung in der Tübinger Uhlandstraße. Dabei wurde auch getrommelt und getanzt.

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Die Veranstaltung durfte ohne Masken stattfinden. Die deshalb geforderten Abstände von 1,5 Metern wurden weitgehend nicht eingehalten - wohl auch wegen der großen Anzahl an Menschen.

Kundgebung gegen einrichtungsbezogene Impfpflicht in Tübingen am 7.3.2022 (Foto: SWR)
Die Stimmung in der Tübinger Uhlandstraße war ausgelassen.

Corona-Impfung: Demonstrierende wollen sich frei entscheiden können

Die Demonstrierenden halten die einrichtungsbezogene Impfpflicht für nicht notwendig. Sie wollen sich frei für oder gegen eine Impfung entscheiden können. Den Nutzen der Covid-19-Impfungen erkennt die Initiative nur für Risikogruppen an. Die Organisatoren und Organisatorinnen sprechen von einer "ungenügenden Datenlage zu den Corona-Zahlen, Wirkungen und Nebenwirkungen der Impfungen, sowie der Kontraindikationen".

Kundgebung gegen einrichtungsbezogene Impfpflicht in Tübingen am 7.3.2022 (Foto: SWR)
Auf der Bühne wurden persönliche Erfahrungen geteilt und Daten zur Corona-Pandemie gezeigt.

Eine Impfpflicht sei auch in Anbetracht vermeintlich geringer Todeszahlen nicht zu rechtfertigen. Neben der Corona-Politik wurde auch die Pandemie-Berichterstattung in den Medien kritisiert. Die Pandemie würde überzeichnet dargestellt. Die Versorgungslage in den Krankenhäusern sei nicht dramatischer gewesen als vor der Pandemie.

Viele bangen um ihre Arbeit als Pflegekraft

Zudem forderten die Anwesenden mehr Personal im Gesundheitsbereich. Sie bräuchten demnach mehr Unterstützung der Politik, um ihren eigenen Qualitätsansprüchen genügen zu können. Viele rote Luftballons in Herzform sollten zeigen, dass den Pflegekräften die Pflege kranker Menschen am Herzen liegt und dass sie ihre Berufe gerne weiter ausführen möchten. Im Zuge der Impfpflicht droht vielen eine Entlassung.

Kundgebung gegen einrichtungsbezogene Impfpflicht in Tübingen am 7.3.2022 (Foto: SWR)
Zahlreiche Schilder wiesen darauf hin, dass den Demonstrierenden ihr Beruf und ihre Patientinnen und Patienten am Herz liegen.

Außerdem wollte die Initiative mit der Aktion am Montag einer "Spaltung innerhalb der Gesellschaft und im Gesundheitswesen entgegenwirken". Die Initiative stehe für Frieden, Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie. Gleichzeitig wurden deutsche Politikerinnen und Politiker, die sich um Kinder in der Ukraine sorgen, aber nicht um deutsche Kinder, die gegen Covid-19 geimpft werden, als "Heuchler" bezeichnet und vom Publikum ausgebuht.

Nach der Kundgebung zogen die Demonstrierenden mit Trommeln, Trillerpfeifen und Plakaten durch die Innenstadt. Die Demonstration war in weiten Teilen der Stadt zu hören und verlief friedlich. Eine Gegendemonstration gab es nicht.

Kundgebung gegen einrichtungsbezogene Impfpflicht in Tübingen am 7.3.2022 (Foto: SWR)
Ein langer Zug aus Demonstrierenden bahnte sich den Weg durch Tübingen. Einige Anwohnerinnen und Anwohner beobachteten den Zug von Balkonen aus.

Impfpflicht in Krankenhäusern und Co. kommt nächste Woche

Ab dem 16. März gilt die einrichtungsbezogene Impfpflicht zum Beispiel in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Nach Angaben der Tübinger Uniklinik sind inzwischen knapp 95 Prozent der Pflegekräfte geimpft.

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