Zu geringe Chancen bei der Europäischen Arzneimittelagentur

Tübinger Unternehmen CureVac zieht Corona-Impfstoffkandidaten zurück

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Bereits im Juni erlitt das Tübinger Pharmaunternehmen CureVac einen Rückschlag. Sein erster Corona-Impfstoffkandidat war nicht wirksam genug. Jetzt meldet die Firma, dass sie dieses Projekt aufgibt.

CureVac kündigt an, sich nun auf den Corona-Impfstoff der zweiten Generation zu konzentrieren. Diesen entwickelt das Tübinger Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Pharmakonzern GlaxoSmithKline. Klinische Studien sollten in den nächsten Monaten beginnen.

Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens CureVac eine blaue Flüssigkeit. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow; Archivbild)
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Das Mittel der ersten Generation werde dagegen aus dem laufenden Zulassungsverfahren zurückgezogen, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Chancen auf eine Zulassung standen ohnehin schlecht. So hatte der Impfstoffkandidat zuletzt nur eine Wirksamkeit von 48 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung über alle Altersgruppen hinweg gezeigt.

Hoffnung auf die zweite Generation

Hintergrund der aktuellen Entscheidung sei, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur dem Unternehmen CureVac zu verstehen gegeben habe, mit einer Zulassung seines ersten Corona-Impfstoffs sei frühstens im April 2022 zu rechnen. Bis dahin hoffen die Tübinger Entwickler aber, den Impfstoff der zweiten Generation sehr weit entwickelt zu haben. Dieser verbesserte Impfstoff soll noch im zweiten Halbjahr 2022 Marktreife erreichen.

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Finanzielle Auswirkungen teilweise unklar

Curevac hat für die Erforschung des Impfstoffs, der nun nie eine Zulassung bekommen wird, Fördergelder in dreistelliger Millionen-Höhe bekommen. Von der EU und von der Bundesregierung. Der Vertrag mit der EU über 405 Millionen Impfdosen werde, laut Curevac, gekündigt. Was mit den EU-Fördergeldern passiert, ist noch unklar. Der Bund hat sich im Juni vergangenen Jahres mit 300 Millionen Euro an Curevac beteiligt. Wie das Bundeswirtschaftsministerium auf SWR-Anfrage bestätigte, stehe man dort auch weiterhin voll hinter dieser Beteiligung. Das so wörtlich "enorme Potential" der mRNA-Technik für Impfstoffe und Krebsbekämpfung am Standort Deutschland solle gestärkt werden.

Einschätzung: Corona wird Thema bleiben

CureVac geht davon aus, dass Corona in absehbarer Zeit immer wieder örtlich begrenzt auftreten wird. Deshalb werde weiterhin Bedarf an unterschiedlichen Impfstoffen bestehen. CureVac halte am Ziel fest, mit einem sicheren und wirksamen Impfstoff einen entscheidenden Beitrag im weltweiten Kampf gegen Corona zu leisten.

Aus Erfahrung gelernt

Aus den Erfahrungen mit der ersten Generation habe man vieles gelernt, was man nun in bei der zweiten Generation besser machen könne, hieß es auf einer Pressekonferenz. Dabei habe man auch erkennen müssen, dass es für den Pandemie-Impfstoff von CureVac zu spät sei. Nun könne man aber auch einen Wirkstoff für Auffrischungsimpfungen entwickeln, oder einen Covid-Impfstoff, der kombiniert mit einer Grippeimpfung verabreicht werden könnte.

Große Mengen bereits produziert

Das Tübinger Unternehmen hatte eine große Menge des nun nicht mehr gebrauchten Impfstoffs vorproduziert, damit man im Falle einer Zulassung sofort hätte liefern können. Wieviel produziert wurde, dazu schweigt Curevac. Es gibt nur die Information, dass der Impfstoff chemisch in seine Einzelteile zerlegt werden und dann fachmännisch entsorgt werden könne.

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