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Die Tübinger Biotechfirma Curevac kann eine klinische Studie für einen potenziellen Corona-Impfstoff durchführen. Das hat das zuständige Paul-Ehrlich-Institut bei einem digitalen Pressebriefing bekannt gegeben.

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Curevac hatte im Vorfeld angekündigt mit der Studie noch im Juni beginnen zu wollen. Bislang hatte dafür allerdings noch die Genehmigung des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts gefehlt, die am Mittwoch bekannt gegeben wurde. Der Mitteilung zufolge darf Curevac den Wirkstoff an gesunden Freiwilligen testen. Die für die Zulassung nötigen Voruntersuchungen seien erfolgreich verlaufen, teilte das Unternehmen auf seiner Webseite mit.

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Die Studie solle Erkenntnisse zur Sicherheit, aber auch zur Wirksamkeit des Impfstoffs liefern. "Wir sind davon überzeugt, mit unserem Impfstoffkandidaten gegen Sars-CoV-2 auf dem richtigen Weg zu sein", sagte Mariola Fotin-Mleczek, für Technologie zuständiges Vorstandsmitglied des Unternehmens. Insgesamt sollen an der Untersuchung 168 gesunde Erwachsene teilnehmen, von denen Curevac 144 impfen will. Ein Teil der Freiwilligen bekomme zum Vergleich ein Placebo-Mittel, also ein Medikament ohne Wirkstoff verabreicht, so Curevac. Man überwache die Teilnehmer im Rahmen der Studie über ein Jahr nach der Impfung. Testzentren befinden sich in Tübingen, Hannover, München und im belgischen Gent.

Um in den bundesweiten Testzentren beginnen zu können, fehle jedoch noch die Zustimmung der Tübinger Ethikkommission, wie ein Sprecher des Unternehmens auf SWR-Anfrage mitteilte. Sie fungiert als zentrale Ethikkomission für Deutschland. Auch für das Testzentrum in Gent steht die Genehmigung der dortigen Ethikkomission noch aus. Ergebnisse aus der ersten Testphase könnten dem Unternehmen zufolge bereits im August oder September vorliegen.

Corona-Impfstoff ab Mitte 2021 auf dem Markt?

Abhängig von den Daten aus der ersten Testphase könne dann bereits im Herbst mit einer weiteren, größer angelegten Testphase begonnen werden. Im Erfolgsfall sei die Produktion von bis zu mehreren hundert Millionen Dosen an RNA-Material pro Jahr möglich, so das Tübinger Biotech-Unternehmen. Eine neue Produktionsanlage mit entsprechender Kapazität befinde sich im Aufbau. Bereits jetzt produziere Curevac über den Bedarf der Testphase hinaus, so das Unternehmen.

Wenn die Tests erfolgreich verliefen, könne das Unternehmen "vielleicht Anfang nächsten Jahres" einen Zulassungsantrag für den Impfstoff stellen, sagte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek. Mitte des nächsten Jahres könnte der Impfstoff dann für die breite Masse auf den Markt gebracht werden, so Curevac.

Zweiter Coronavirus-Impfstoff-Test an Menschen in Deutschland

Das Paul-Ehrlich-Institut hatte bereits Ende April mit dem Impfstoffprogramm des Mainzer Unternehmens Biontech erstmals eine klinische Studie zu einem potenziellen Corona-Impfstoff in Deutschland genehmigt. Curevac ist somit in Deutschland das zweite Unternehmen, das mit einer klinischen Studie beginnen darf. Bisher gebe es weltweit zehn klinische Prüfungen eines Impfstoffs gegen Covid-19, sagte Cichutek. Wann einer der in Entwicklung befindlichen Kandidaten zugelassen werden könne, sei nicht sicher zu beantworten. Das US-Unternehmen Moderna und das britisch-schwedische Unternehmen AstraZeneca zusammen mit der Universität Oxford streben die Zulassung eines Impfstoffs noch in diesem Jahr an.

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts Cichutek betonte, es sei wichtig, mehrere verträgliche und wirksame Impfstoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften zu entwickeln und die Herstellungskapazitäten rasch auszubauen. Ein Impfstoff dürfe nicht nur einzelnen Staaten oder Risikogruppen zur Verfügung stehen. Man arbeite gemeinsam mit der Politik derzeit an entsprechenden Konzepten, sagte Cichutek.

Moderna hat sich wie Biontech und Curevac auf Impfstoffe auf Basis der so genannten Boten-RNA (mRNA) spezialisiert. Sie soll den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger vermitteln. Ein Impfstoff auf dieser Basis kann möglicherweise schneller entwickelt und hergestellt werden als herkömmliche.

Einstieg der Bundesregierung und Curevac-Börsengang

Curevac hatte zuletzt für Schlagzeilen gesorgt, als die Bundesregierung angekündigt hatte, über ihre Förderbank KfW mit 300 Millionen Euro bei Curevac einsteigen zu wollen. Damit solle die Entwicklung eines Impfstoffes beschleunigt werden. Das Unternehmen will zudem einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums zufolge im Sommer in den USA an die Börse gehen. Curevac habe einen großen Kapitalbedarf, heißt es in dem Schreiben.

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