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Seit einigen Tagen testen Forscher in Tübingen einen Corona-Impfstoff. Kommende Woche wollen sie den nächsten Schritt gehen und die Dosis erhöhen. Am Mittwoch war Probandin Nummer fünf an der Reihe. Wie geht es ihr?

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Derzeit werden den Probanden am Tübinger Tropeninstitut zwei Mikrogramm des Impfstoffes verabreicht. Alle getesteten Personen vertragen die Impfung bisher ohne Probleme. Deshalb soll kommende Woche die Dosis auf vier, eine Woche später auf acht Mikrogramm erhöht werden, so der Direktor des Instituts, Professor Peter Kremsner. Voraussetzung ist, dass das Sicherheitskomitee, das die Studie begleitet, zustimmt.

Probandin: Ich möchte der Menschheit helfen

Die Studie verläuft bisher recht unkompliziert, wie bei fast jeder anderen Impfung auch. Jedem Patienten wird der Impfstoff in den Oberarm gespritzt, keine fünf Sekunden dauert das Ganze. So wie auch bei der 27-jährigen Tatjana. Die junge Kolumbianerin hat nicht lange darüber nachgedacht, ob sie sich als Testperson zur Verfügung stellen will. "Es ist ein persönlicher und kleiner Beitrag, mit dem ich den Wissenschaftlern und der Menschheit helfen kann," sagte Tajana dem SWR.

Das CureVac Gebäude (Foto: SWR)
Die Studie der Firma Curevac wird laut Uniklinik in mehreren Phasen ablaufen.

Curevac-Impfstoff hilft Zellen, Antikörper zu bilden

Der Impfstoff, den die Tübinger testen, ist etwas ganz Neues, denn er basiert auf sogenannter Messenger RNA. Vereinfacht erklärt: Der Körper bekommt durch den Impfstoff einen Bauplan für ein Protein des Coronavirus verabreicht. Mit dieser Information weiß der Körper dann, wie er Antikörper gegen das Virus bilden kann. Kremsner leitet die klinische Impfstoffstudie. Einen neuen Impfstoff zu testen ist auch für den erfahrenen Mediziner etwas Besonderes. Zumindest war es das beim ersten Probanden: "Das war natürlich aufregend. Was danach kam, allerdings gar nicht mehr. Es ist nämlich gar nichts passiert. Weder traten Kopfschmerzen, Fieber, noch sonst irgendeine lokale Reaktion auf", erzählte Kremsner. Das sei auch die Hoffnung, die die Mediziner haben. Denn wenn der Proband den Impfstoff gut verträgt, kann weiter getestet werden, so Kremsner. Bei einer Handvoll von Probanden sei der Wirkstoff bisher "sensationell gut verträglich".

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Testpersonen müssen kerngesund sein

Um an der Studie teilnehmen zu können, muss man gesund und zwischen 18 und 60 Jahre alt sein. Erst im weiteren Verlauf der Studie will man dieses Spektrum ausweiten. Kremsner ist zuversichtlich, dass alle rund 100 Probanden den Impfstoff vertragen. Und wenn nicht, sei man auf alles vorbereitet. "Wir haben eine Notfallversorgung und sofort die Möglichkeit, die Probanden in eine intensivmedizinische Betreuung, wenn es nötig ist, zu bringen." Bisher war das aber nicht nötig, so der Direktor des Tropeninstituts.

"Ich vertraue der Wissenschaft und dem Tropenmedizininstitut. Ich habe keine Angst."

Testperson Tatjana (27 Jahre)

Probanden bekommen mehrere Dosen gespritzt

Jeder getestete Proband bekommt nach einem Monat eine zweite Dosis verabreicht. Wird auch diese vertragen, könnte im Sommer die zweite von drei Phasen der klinischen Studie starten. Bis der Impfstoff allerdings eine Zulassung erhält und auf den Markt kommt, kann es noch etwa ein Jahr dauern.

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