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Eine Demonstration gegen Corona-Auflagen hat am Wochenende in Rottenburg (Kreis Tübingen) viele Bürger und Gegendemonstranten auf die Straße getrieben. Aus Sorge vor Zusammenstößen war auch viel Polizei unterwegs.

"Deutschland ist ein demokratischer Rechtsstaat" – unter diesem Namen fand am Samstagmittag die Demonstration gegen die Corona-Regeln und Corona-Beschlüsse in der Bischofsstadt Rottenburg statt. Veranstalter war der Rechtsanwalt Helmut Krause aus der Nähe von München. Eigentlich waren in Rottenburg fünf Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen angemeldet. Alle initiiert von Rottenburger Bürgern, sagte Oberbürgermeister Stefan Neher:

"Es hat sich relativ schnell gezeigt, dass sich die Querdenker-Szene auf den Weg macht und diese Veranstaltung unter ihre Regie bringen will."

Rottenburgs OB Stefan Neher

Das habe dann dazu geführt, dass die Rottenburger ihre Demos abgesagt hätten, weil es ihnen zu heiß geworden wäre, so Neher.

Verschiedene Auslegungen von Frieden

Trotzdem fand der Begriff "Frieden", um den es bei den ursprünglich geplanten Demonstrationen immer wieder ging, auch auf der Querdenker-Demo häufig Verwendung. Es waren viele Fähnchen zu sehen, auf denen die Friedenstaube abgebildet ist. Auf dem Gelände, wo sich rund 400 Demonstranten versammelten, stand außerdem ein Auto, das einem Polizeiwagen nachempfunden war mit dem Schriftzug "Friedensfahrzeug".

Blick auf Menschen bei "Friedensgebet" in Dom Rottenburg (Foto: SWR, Paul Jens )
Um ein Zeichen gegen die Demonstration zu setzen, feierten die katholische und die evangelische Kirche im Rottenburger Dom einen ökumenischen Gottesdienst. Paul Jens

Weil die Kirche in Rottenburg damit gar nicht einverstanden war, hatte es bereits am Morgen im Dom einen ökumenischen Gottesdienst mit dem evangelischen Pfarrer Tilman Just-Deus gegeben. Die Gläubigen wollten sich von den Corona-Leugnern distanzieren.

"Wir wollten deutlich machen, dass wir einen anderen Begriff von Frieden haben. Wir wollen uns nicht in eine Ecke stellen lassen, wo Hass und Gewalt propagiert wird. Oder wo Lügen verbreitet werden. Das ist nicht unsere Veranstaltung".

Der evangelische Pfarrer Tilman Just-Deus zum Friedensgebet

Demonstranten sehen Grundrechte in Gefahr

Wenn man mit den Demonstranten gesprochen hat, wurde schnell klar, warum sie da waren: viele fürchten eine staatlich verordnete Impflicht, andere sehen sich in ihren Grundrechten zu sehr eingeschränkt und fürchten Freiheiten zu verlieren. Die Maske sei dafür ein Zeichen. Es waren aber auch nur Familien dabei, die Sorgen um ihre Kinder haben. Auch einige Rechtsextreme hatten sich unter die Demonstrierenden gemischt. Und es wurden sehr viele Reden gehalten. Gegen die Regierung und gegen den Virologen Christian Drosten.

Auf einer Coronagegendemo in Rottenburg liegen viele gemalte Schilder im Herbstlaub. (Foto: SWR, Georg Filser)
Viele gemalte Schilder der Demonstranten gegen Corona-Auflagen in Rottenburg. Georg Filser

Gegen-Demo mit 120 Teilnehmern

Auf der anderen Seite des Geländes fand eine Gegendemonstration mit 120 Teilnehmern statt. Hier hielten die Menschen Schilder hoch mit Schriftzügen wie "Nachdenken statt Querdenken" oder "Keine Bühne für Klimawandel- und Corona-Leugner". Am Rande beider Demos stand Hermann Josef Steur. Er sitzt für die SPD im Rottenburger Gemeinderat und findet es richtig, dass beide Demonstrationen stattfinden durften. Allerdings, sagte er, könne man bei der Hauptdemonstration inhaltlich eigentlich nur den Kopf schütteln. Das Ganze dann als Friedensfest auszugeben sei der blanke Hohn gewesen, so Steuer.

"Frieden hat mit Solidarität, Rücksichtnahme und Verantwortung zu tun".

Rottenburgs SPD-Gemeinderat Hermann Josef Steuer

Am Ende ist alles friedlich geblieben. Die Polizei, die mit mindestens 200 Mann vor Ort war, hatte wenig zu tun. Bis auf ein paar Ermahnungen an Maskenverweigerer. Das sei ein voller Erfolg gewesen, heißt es. Trotzdem waren die Rottenburger Bürger froh, dass dieser Samstag vorbei war.

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