Flugübungen der Spezialeinheit der Bundeswehr (KSK) in Geislingen. (Foto: SWR, Julia klebitz)

Bürgerinitiative: "Vorführungen unrealistisch"

Bundeswehr demonstriert Übungen auf künftigem KSK-Absetzgelände Geislingen

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Julia Klebitz

Die Bundeswehr hat mit einer Übung gezeigt, wie der Flugbetrieb über dem geplanten KSK-Absetzgelände in Geislingen ablaufen könnte. Die Bürgerinitiative ist noch misstrauisch.

Besonders laut ist die M28 der Bundeswehr nicht, wenn sie in rund 400 Meter Höhe aus Richtung Mengen (Kreis Sigmaringen) nach Altshausen (Kreis Ravensburg) geflogen kommt. Wer nicht nach oben schaut, weil er weiß, dass da gleich etwas passiert, der würde wohl gar nichts mitbekommen von der Sprungübung.

Hoch über den Köpfen der Gäste aus dem Zollernalbkreis geht es dann ganz schnell: Ein Fallschirmspringer nach dem nächsten segelt mit seinem runden Schirm vom Himmel. Bis zu 80 Sekunden dauert es laut Bundeswehr, bis ein Soldat oder eine Soldatin vom Flugzeug aus auf dem Boden ist.

Die Besucherinnen und Besucher haben viele Fragen. Mit dem Bus oder dem eigenen Auto sind sie aus Geislingen (Zollernalbkreis) gekommen. Es sind weniger als 50. An einem Vormittag unter der Woche haben nicht viele Zeit. Die, die da sind, wollen als Stellvertreter schauen, was da auf Geislingen zukommt. Das Angebot von Staatsministerium und Bundeswehr, sich bei einem Anschauungstag ein Bild davon zu machen, wie das Kommando Spezialkräfte Fallschirmsprünge übt, haben sie gerne angenommen.

Dass die Bundeswehr nach Geislingen kommt, hat alle überrascht

Land und Bundeswehr wollen in Geislingen auf dem Gelände des ehemaligen Waldhofs ein Absetzgelände für das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr einrichten. Es soll den bisherigen Übungsplatz in Malmsheim (Kreis Böblingen) ersetzen. Bosch will dort ein Forschungs- und Entwicklungszentrum ausbauen und das Land hat dem Unternehmen Zusagen gemacht. Dass die Bundeswehr in die Stadt kommen soll, hat in Geislingen alle überrascht. Und nicht nur dort: Im ganzen Kreis fühlten sich Bürgermeister und Kommunalpolitiker und -politikerinnen vor den Kopf gestoßen, vor vollendete Tatsachen gestellt.

Die alten Gebäude der Staatsdomäne Waldhof in Geislingen im Zollernalbkreis. (Foto: SWR, Julia Klebitz)
Rund um das Gelände der Staatsdomäne Waldhof in Geislingen im Zollernalbkreis soll bald die Bundeswehr Fallschirmsprünge üben. Julia Klebitz

Auch wenn die Staatsdomäne Waldhof dem Land gehört, im Zollernalbkreis halten viele den Standort für ungeeignet. Der Gemeinderat der Kreisstadt Balingen fordert vom Staatsministerium, dass es andere Standorte unter die Lupe nimmt. Bestehende Militärgelände zum Beispiel. Auch der Landrat hatte das schon früh gefordert. Die Landwirtinnen und Landwirte rund um den Waldhof sowieso. Sie haben Angst um ihre Flächen, um ihre Hühner, schlicht um ihre Existenz.

100 Alternativen geprüft

Dass es keine Alternative zu Geislingen gebe, das hatte das Staatsministerium von Anfang an klar gemacht. Spätestens seit einer Bürgerinformationsveranstaltung in Geislingen haben diese Botschaft alle verstanden. Geprüft habe man natürlich auch Alternativen, sagt ein Vertreter des Staatsministeriums am Mittwoch während der Übung auf der Wiese am Rande von Altshausen. Mehr als 100 seien sogar geprüft worden. Warum diese anderen Standorte aber letztlich wohl nicht in Frage kamen, als Ersatz für das bisherige Absprunggelände in Malmsheim, das konnte er nicht sagen. Durfte er nicht. Er habe keine Freigabe Informationen weiterzugeben. Gerade das ist es, was viele im Zollernalbkreis stört. Sie haben den Eindruck außen vor zu sein. Nur die nötigsten Informationen zu bekommen. Von fehlender Transparenz sprechen Bürgermeister und Kommunalpolitiker. Immer wieder nutzen sie auch den Begriff "Bastapolitik".

Ein Plakat der Gegner des KSK-Absprunggeländes in Geislingen im Zollernalbkreis. (Foto: SWR, Julia Klebitz)
Eine Bürgerinitiative will das geplante KSK-Absprunggelände in Geislingen im Zollernalbkreis verhindern. Julia Klebitz

Allerdings haben Vertreter des Staatsministeriums schon mehrfach betont, dass sie selbst noch nicht alle Details zum künftigen Absprunggelände kennen. Man sei mitten in der Prüfung. Informieren wolle man unter anderem auf einem umfangreichen Bürgerbeteiligungsportal im Internet. Ganz neu ist am Mittwoch zum Beispiel die Erkenntnis, dass umliegende Straßen wohl nur für wenige Minuten gesperrt werden müssen, während der Übungen in Geislingen. Solange, bis alle Soldatinnen und Soldaten auf dem Boden sind. Anwohnerinnen und Anwohner hatten befürchtet, dass Straßen gar verlegt werden müssten.

Weniger Fluglärm als befürchtet?

Relativiert hat sich auch die Angst mancher Menschen aus dem Kreis vor allzu großem Fluglärm. Nicht nur das Flugzeug, dass die Bundeswehr in Altshausen einsetzt, auch der Airbus A400M, der am Nachmittag mehrfach in 400 Metern Höhe über dem Waldhof Areal in Geislingen kreist, ist dann doch nicht so laut, wie viele befürchtet hatten. Die Bürgerinitiative gegen das KSK-Absprunggelände hält die Vorführungen allerdings ohnehin nicht für realistisch. Sie fürchtet, dass die Bundeswehr irgendwann mit wesentlich lauteren Hubschraubern üben könnte.

Viele Interessierte wollen rund um das Waldhof-Areal in Geislingen im Zollernalbkreis ein Flugzeug der Bundeswehr sehen und hören. (Foto: SWR, Julia Klebitz)
Viele Interessierte wollen rund um das Waldhof-Areal in Geislingen im Zollernalbkreis ein Flugzeug der Bundeswehr sehen und hören. Julia Klebitz

Ein Sprecher der Bundeswehr widerspricht dem am Mittwoch. Die beiden gezeigten Flugzeugtypen seien genau die, mit denen man derzeit übe. Die Bundeswehr könne allerdings keine Aussage dazu machen, mit welchen Maschinen die US-Armee auf dem Gelände fliegen werde. Erfahrungsgemäß seien sie ähnlich laut, wie die der Bundeswehr. An maximal 60 Tagen im Jahr werde die Bundeswehr in Geislingen sein. Bis das aber tatsächlich soweit ist, könnte noch einige Zeit ins Land gehen. Erstmal ist ein Lärmgutachten geplant. Die Fluggeschwindigkeit der einzelnen Luftfahrzeuge spielt dabei laut Bundeswehr eine wichtige Rolle. Ein langsameres Luftfahrzeug werde manchmal als störender empfunden als ein schnelleres. Aber auch die Entfernung zum Beobachter, Windrichtung, sonstiger Umgebungslärm und viele weitere Faktoren seien ebenfalls zu berücksichtigen.

Zumindest die Bundeswehr und die betroffenen Landwirte in Geislingen kommen sich während des Anschauungstages näher. In langen Gesprächen unterhalten sie sich noch nach der Übung über die Sorgen und Bedürfnisse ihrer jeweiligen Berufsgruppe. Einigkeit herrscht darüber, dass es sowohl Landwirtschaft als auch Bundeswehr dringend braucht.

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