Nach Widerstand kommt Haiterbach nicht mehr in Frage

Übungsgelände der Bundeswehr überrascht Geislingen

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Große Augen im Zollernalbkreis: Bund und Land planen ein Absprunggelände der Einheit KSK in Geislingen bei Balingen. Damit sind die Pläne für Haiterbach (Kreis Calw) vom Tisch.

Soldaten der Bundeswehr-Eliteeinheit KSK müssen aus der Luft Lasten absetzen und dafür Landungen mit dem Fallschirm üben. Das dafür notwendige Fluggelände könnte bald schon auf dem Areal der Staatsdomäne Waldhof in Geislingen (Zollernalbkreis) sein. Es gehört dem Land. Das heißt, die Landesregierung müsste keine Grundstücke kaufen, anders als am zuvor geplanten Standort zwischen Haiterbach und Nagold (Kreis Calw).

Überraschung und Ärger in Geislingen

Bald könnte es also einen neuen Bundeswehr-Standort im Zollernalbkreis geben und vielleicht üben KSK-Soldaten dann schon im kommenden Jahr in Geislingen Sprünge mit dem Fallschirm. Diese Nachricht hat viele im Kreis aus heiterem Himmel getroffen. Erst am Mittwoch habe er eine Nachricht aus dem Staatsministerium bekommen, sagte Geislingens Bürgermeister Oliver Schmid dem SWR.

"Wir sind hierüber überrascht - um das Wort "verärgert" zu vermeiden. Wir bedauern, dass das Land es bisher versäumt hat, hier transparente Gespräche zu führen."

Auch der Landrat des Zollernalbkreises, Günther-Martin Pauli, weiß nach eigenen Angaben erst seit ein paar Tagen von den Plänen für ein Bundeswehrgelände in Geislingen. Er geht davon aus, dass diese Pläne schon längere Zeit in der Schublade liegen.

"Das hat hinter unserem Rücken stattgefunden. Das bedauern wir ein Stück weit."

Thomas Bareiß fordert sofortige Aufklärung

Der Bundestagsabgeordnete aus dem Zollernalbkreis, Thomas Bareiß (CDU), reagierte überrascht und fordert, den Fall möglichst schnell und transparent aufzuklären.

"Die aktuellen Meldungen über die mögliche Einrichtung einer Start- und Landebahn für Militärflugzeuge habe ich mit großer Überraschung zur Kenntnis genommen. Bisher waren mir solche Pläne nicht bekannt."

Als direkt gewählter Wahlkreisabgeordneter habe er sich umgehend an die zuständige Bundesministerin der Verteidigung, Christine Lambrecht (SPD), und an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gewandt. Bareiß hat nach eigenen Angaben ein transparentes Verfahren eingefordert, das auch die Sorgen der Bürgerinnen der Bürger miteinbezieht und ernst nimmt. Nur so könne eine weitere Verunsicherung der Bevölkerung in Geislingen vermieden werden, so Bareiß.

Bundeswehrsoldaten springen mit dem Fallschirm aus einer C-160 Transall. (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance/ dpa | Patrick Seeger)
Die Bundeswehr übt: Soldaten springen mit dem Fallschirm aus einer C-160 Transall. picture-alliance/ dpa | Patrick Seeger

Haiterbach hatte sich gewehrt

Bisher war die Gemeinde Haiterbach im Nordschwarzwald als Standort für das KSK vorgesehen. Doch dort wollten viele Eigentümer ihre Grundstücke nicht verkaufen. Die erforderlichen Flächen hätten enteignet werden müssen. Außerdem gab es großen Widerstand in der Bevölkerung. Simone Sautter freut das. Ihre Familie bewirtschaftet dort Flächen und hat sich zusammen mit Kollegen und einer Bürgerinitiative massiv gegen den Bundeswehrplatz in Haiterbach gewehrt. Eine Enteignung hätte sie nicht in Ordnung gefunden.

Tausend Meter lange Grasbahn

Auch im Zollernalbkreis müssten Landwirte für einen KSK-Absprungplatz auf Flächen verzichten. Ein großer Unterschied zu Haiterbach (Kreis Calw) ist allerdings: Die Fläche rund um den Geislinger Waldhof gehört dem Land. Ab spätestens Ende kommenden Jahres soll laut Staatsministerium der Betrieb in Geislingen starten. Allerdings noch ohne Start- und Landebahn. Später sollen dann auf einer tausend Meter langen Grasbahn Militärflugzeuge starten und landen. Vorgesehen ist, an maximal 120 Tagen im Jahr zu üben. Wann genau das Gelände komplett fertig ist, könne man noch nicht genau vorhersagen. Das Ministerium geht aber davon aus, dass sich das Verfahren bis in die zweite Hälfte des Jahrzehnts hin zieht.

Bisheriges Gelände geht an Bosch

Bisher hat das KSK seine Sprünge in Renningen (Kreis Böblingen) geübt, doch die Fläche dort wurde der Firma Bosch vertraglich zugesagt. Bosch möchte dort sein Forschungs- und Entwicklungszentrum erweitern. Die Landesregierung und die Bundeswehr suchen deshalb seit einigen Jahren ein neues Absprunggelände. Nun beschäftigt das Übungsgelände Politik und Bürger im Zollernalbkreis.

Im März soll es eine virtuelle Infoveranstaltung geben, kündigt das Staatsministerium an.

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SWR