Schokobälle und Hut für WM (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa | Oliver Berg)

Tübinger Buchhändler sieht Großereignis kritisch

Fußball WM in Katar: Keine Fanartikel in Osiander-Filialen

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Stefanie Assenheimer

Die Buchhandlung Osiander verkauft in den Läden keine Fanartikel zur Fußball-WM. Die Sportgeschäfte spüren wenig Interesse an Trikots. Viele sehen Menschenrechte in Katar verletzt.

Die Buchhandelskette Osiander sieht die Fußballweltmeisterschaft in Katar kritisch und hat sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen. Osiander verkauft in den Geschäften keine Fanartikel wie Bücher, Schokolade oder Fähnchen. Normalerweise verdienen Buchläden mit "Merchandise-Artikeln" gutes Geld. Osiander wolle aber ein Zeichen setzen. Dem Gastgeber Katar werden unter anderem Menschenrechtsverletzungen und die Versklavung von Arbeitskräften vorgeworfen. Medienberichten zufolge sollen tausende Arbeiter beim Bau der Stadien ums Leben gekommen sein.

Online können Fanartikel bei Osiander weiter gekauft werden

In den 65 Osiander-Filialen in Süddeutschland soll es keine Bücher, Fanartikel oder andere Produkte zur WM in dem autoritär regierten Staat geben, sagte Osiander-Chef Christian Riethmüller im SWR-Interview. Online können die Artikel allerdings weiter gekauft werden. Man könne und wolle hier ebenso wenig zensieren wie in anderen Bereichen der Buchkultur, so der Tübinger Buchhändler. Da solle jeder selbst entscheiden. Wirtschaftlich seien die Einbußen überschaubar.

Riethmüller möchte auch privat kein Spiel der WM in Katar anschauen

Von den rund 500 Beschäftigten habe er viel Zuspruch bekommen, so Riethmüller. Er könne die WM aus verschiedenen Gründen nicht unterstützen. Die Lage von Arbeitern, Frauen und Minderheiten in Katar sei bedrohlich. Daneben spielt für Riethmüller die Umwelt eine Rolle. Es sei bedenklich, wenn man Stadien runter kühlen müsse, vor allem vor dem Hintergrund der Energiekrise. Hinzu komme, dass bei der Vergabe für die Ausrichtung der WM Schmiergeld geflossen sei. Auch privat hat Rietmüller angekündigt, kein einziges Fußballspiel aus Katar anzuschauen.

Buchhandlung Wittwer: Weihnachten steht im Vordergrund

Die Stuttgarter Buchhandlung Wittwer hingegen will kein politisches Statement setzten, sagte Geschäftsführer Rainer Bartle dem SWR. Aber man sei "ähnlich unterwegs" was das Angebot angehe. Wittwer habe deutlich weniger Artikel rund um die WM bestellt als üblich. So gebe es die beliebten WM-Panini-Sammelbücher nur in kleinen Mengen. Allerdings habe das mit der eher geringen Nachfrage der Kundschaft zu tun. Bei der steht laut Bartle Weihnachten im Vordergrund, nicht die WM.

Katar drückt auf Stimmung der Fans

Wenig WM-Euphorie, geringe Nachfrage - das melden auch Sportgeschäfte, darunter INTERSPORT Räpple, der Filialen in Reutlingen, Tübingen, Wendlingen, Kirchheim, Leinfelden-Echterdingen und Leonberg hat. Normalerweise gebe es durch Fußballgroßereignisse gute Umsätze, vor allem mit dem Trikot-Verkauf, heißt es. Da könne man nicht darauf verzichten. Aber man habe sich darauf eingestellt, dass es große Fanfeste und Publik Viewing im Freien nicht geben werde, so ein Sprecher. Daher sei das Angebot bei INTERSPORT Räpple abgespeckt. Es werde keine ausländischen Trikots geben, dafür das der deutschen Nationalmannschaft und den WM-Ball.

Keine große Nachfrage in Sportgeschäften

Auch bei INTERSPORT Rebi in Albstadt (Zollernalbkreis) rechnet man mit keiner allzu großen Nachfrage von Fanartikeln. Geschäftsführer Alexander Schulten beobachtet seit Jahren, dass der Umsatz zurückgeht. Das habe aber hauptsächlich mit dem Online-Handel zu tun und nicht mit dem Gastgeberland. Ob Katar oder zum Beispiel Österreich, so sagt Schulten, mache geschäftlich für ihn keinen großen Unterschied. Er bietet in seinem Sportgeschäft neben dem Deutschland-Trikot, auch einige Trikots andere Nationalmannschaften an.

Studie der Uni Hohenheim: Kauflaune hat abgenommen

Eine Umfrage der Uni Hohenheim hat ergeben, dass die Kauflust der Fußball-Fans in diesem Jahr so niedrig ist wie nie zuvor. Im Vergleich zur WM 2018 hat die Kauflaune der Fußball-Fans deutlich abgenommen: Für Unternehmen lohne sich bei dieser WM das teure Engagement als Sponsor kaum. Außerdem erwarten mehr Deutsche denn je von offiziellen Sponsoren der WM 2022 in Katar, dass diese sich auch in sozialer und gesellschaftlicher Art engagieren. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Fußball-WM-Studie von Marketing-Experte Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die Studie basiert auf einer repräsentativen Umfrage unter 1.000 Personen in Deutschland zu den Themen sportliche Erwartungen, Sponsoring und Sport-Vermarktung, Medienwirksamkeit sowie Politik.

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