Kleines Mädchen steht am Kaminofen (Foto: dpa Bildfunk, Langenstrassen, Wolfgang)

Nachfrage steigt - Händler teils ausverkauft

Preise für Brennholz steigen zwischen Reutlingen und Freudenstadt

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AUTOR/IN
Thomas Scholz

Für Brennholz muss teilweise doppelt so viel bezahlt werden wie letztes Jahr. Holzhändler in Reutlingen und Glatten (Kreis Freudenstadt) befürchten Lieferengpässe im Frühjahr.

"Ich bin ausverkauft, bei mir geht nichts mehr", sagte Ulrich Hövemeyer, Chef des Holzlieferanten Ermstalholz in Reutlingen. Er habe noch Brennholz für Stammkunden reserviert. Aber er müsse vielen Anrufern erklären, dass sie dieses Jahr kein Holz mehr bekommen. Die Preise seien drastisch gestiegen: von 75 Euro im letzten Jahr auf nun um die 150 Euro pro Raummeter Brennholz.

Holzhändler in Glatten reserviert nur für Stammkunden

Auch der Holzhändler Jürgen Genkinger in Glatten (Kreis Freudenstadt) ist längst ausverkauft. Er wisse, dass im Raum Freudenstadt bis zu 160 Euro für einen Raummeter Brennholz verlangt werden. Er habe sich mit 100 Euro begnügt, habe jetzt aber kein Holz mehr. Stammkunden könnten für das kommende Frühjahr Lieferungen reservieren. Allerdings könne er nicht sagen, wieviel sie dann bezahlen müssen. Neukunden vertröstet er auf März 2023. Dann könne er sagen, ob es genug Brennholz gibt.

Radioreportage vom Lagerplatz eines Holzhändlers in Dettingen/Erms (Kreis Reutlingen)

Kunden kaufen schon nasses Holz für den Winter 23/24

Nicht nur Händler befürchten auf Dauer Lieferengpässe, auch die Kundschaft. Fünf bis zehn Prozent der Kunden würden sich schon jetzt für den übernächsten Winter rüsten. Sie kaufen frisch geschlagenes, nasses Holz und trocknen es selbst, um einen Vorrat aufzubauen. Diese Anfragen bekommt auch die Reutlinger Firma Ermstalholz. Geschäftsführer Ulrich Hövemeyer sieht, ähnlich wie Jürgen Genkinger im Schwarzwald, zwei Ursachen. Die Kundschaft hätte letztes Jahr überdurchschnittlich viel gekauft, weshalb die Reserven geschrumpft sind. Und der Trend zu Kaminöfen und Holzheizungen sei durch die Energiekrise zusätzlich befeuert worden.

ForstBW in Bebenhausen rät vom zusätzlichen Bäumefällen ab

Nun könnte man einfach sagen: Wenn die Nachfrage steigt, erhöhen wir die Produktion, holen mehr Holz aus dem Wald. Da widerspricht Sascha Bahlinger vom landeseigenen Betrieb ForstBW mit Sitz in Bebenhausen. Es werde nur soviel Holz aus dem Wald geholt wie nachwächst. Man habe aufwändige Untersuchungen und Berechnungen gemacht, um die nachhaltige Holzmenge zu ermitteln. Ziel müsse auch sein, den Wald für die nächsten Generationen erhalten, so Bahlinger.

Auch ForstBW-Reviere wie Nagoldtal und Entringen ausverkauft

In vielen Bezirken von ForstBW, etwa im Schönbuch, im Nordschwarzwald oder auf der Mittleren Alb, kann man als Privatperson derzeit noch Brennholz bestellen. Im Internet werden vergleichsweise moderate Preise verlangt: zwischen 60 und 85 Euro pro Festmeter. Allerdings wird dort darauf hingewiesen, dass sich die Bereitstellung bis ins Frühjahr hinein ziehen kann. In einzelnen Forstrevieren, wie im Nagoldtal, in Entringen oder in Bebenhausen, ist Brennholz aber schon ausverkauft.

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Thomas Scholz