Materialengpässe und fehlende Bauarbeiter

BG Unfallklinik Tübingen: Verzögerungen wegen Corona

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Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Modernisierungspläne der BG Unfallklinik in Tübingen. Das neue Therapiezentrum wird erst später fertig.

Das ehemalige Q-Gebäude der BG-Unfallklinik Tübingen wird zum Therapiezentrum umgebaut (Foto: SWR, Bernhard Kirschner)
Das ehemalige Q-Gebäude der BG-Unfallklinik Tübingen wird zum Therapiezentrum umgebaut. Bernhard Kirschner

Materialengpässe bei Holz und Stahl und an Corona erkrankte Bauarbeiter sind der Grund, dass das neue Therapiezentrum erst im Oktober eingeweiht werden kann. Eigentlich sollte es im Frühjahr soweit sein, bedauerte der Geschäftsführer der BG Unfallklinik, Marcus Herbst, gegenüber dem SWR.

Hohe Standards wegen Erdbebensicherheit

Das dreistöckige Gebäude, in dem früher Querschnitt-Gelähmte behandelt wurden, wurde komplett entkernt. Neue Wände wurden eingezogen für moderne Räume. Dort werden künftig Ergo- und Physiotherapeuten die Patienten behandeln. Bisher sind die verschiedenen Abteilungen auf die gesamte Klinik verteilt. Die Umbauarbeiten sind eine Herausforderung, weil in Tübingen wegen der Erdbebensicherheit hohe Standards gelten.  

"Deswegen konnten wir nicht einfach die Fenster in den alten Wänden vergrößern. Wir mussten sie durch neue ersetzen."

Neue Notfallaufnahme verzögert sich ebenfalls

Auch die Baukosten für das neue Therapiezentrum sind gestiegen: von 25 auf 27 Millionen Euro. Und die Verzögerung hat Folgen für das 90 Millionen Euro schwere Zukunftskonzept der kommenden zehn Jahre. Denn erst wenn die Therapeuten umgezogen sind, kann mit dem Bau der neuen Notfallaufnahme im Süden der Unfallklinik begonnen werden. Außerdem fand sich zunächst kein Projektleiter für das Projekt, so Herbst. 2023 will man auf jeden Fall anfangen. Er hofft den Zeitplan einhalten zu können: 2025 will man mit dem etwa 50 Millionen Euro teuren Projekt fertig sein, um Unfallopfer noch besser versorgen zu können.

Weniger Arbeits- und Sportunfälle

Da habe sich übrigens auch der Einfluss der Pandemie bemerkbar gemacht, meinte Herbst. Zwar habe man 2021 wieder mehr Patienten behandelt als im Jahr zuvor. Aber das Behandlungsspektrum habe sich verschoben. Die Leute seien vorsichtiger. Es gab weniger schwere Verkehrs-, Arbeits- und Sportunfälle. Auch Querschnittslähmungen seien zurückgegangen.

Omikron: Höherer Krankenstand beim Personal

Das Personal sei wegen der Pandemie am Anschlag. Wegen der Omikron-Variante sei der Krankenstand wesentlich höher als in den Vorjahren. Die Lage sei aber nicht kritisch, sagte Herbst. Allerdings könne man wegen des Personalmangels einige Betten nicht belegen und habe eine Station geschlossen.

Eingang der BG-Unfallklinik in Tübingen (Foto: SWR, Bernhard Kirschner)
Die BG-Klinik in Tübingen verwirklicht gerade ein 90 Millionen Euro teures Zukunftskonzept. Bernhard Kirschner

Hohe Fluktuation beim Pflegepersonal

Die Fluktuation beim Personal sei hoch, so der Geschäftsführer. Er ist froh, den Bestand von 1.300 Beschäftigten halten zu können. Im laufenden Jahr hilft ihm, dass die Gehälter für Pflegekräfte kürzlich auf das Niveau der benachbarten Uniklinik angehoben wurden. Das mache bei manchen bis zu 500 Euro monatlich aus. Etwas Bauchschmerzen bereitet Herbst die einrichtungsbezogene Impfpflicht, die ab Mitte März gilt. Auch wenn er – Stand jetzt – nur 40 Ungeimpfte dem Gesundheitsamt melden muss. Man wolle niemand freisetzen oder entlassen, beteuerte Herbst. Man brauche jeden Beschäftigten. Aber er sagte auch: "Wir halten uns an die Vorschriften."

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