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Der SWR hat seine große Fahrradaktion #besserRadfahren gestartet. Auf allen Kanälen und Ausspielwegen dreht sich alles ums Radfahren - auch in Tübingen. Dort soll das Radwegenetz besser ausgebaut werden.

Tübingen ist als Studentenstadt am Neckar bekannt und hat beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in der Kategorie Städte ab 50.000 Einwohner den vierten Platz erreicht - hinter Karlsruhe, dem Bundessieger, Konstanz und Freiburg.

Das soll sich am Tübinger Radwegenetz ändern

Bei einer Online-Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit von über 1.000 Städten erhielt Tübingen dagegen nur die Schulnote 3,4 - dort lag Tübingen also zwischen befriedigend und ausreichend. Das findet offenbar auch die Stadt selbst: Tübingen habe große Pläne, wie ein Radwegenetz in Zukunft aussehen soll, hieß es vom Tübinger Baubürgermeister Cord Soehlke.

"Von einem Radwegenetz kann man derzeit nicht reden"

Tübingens Straßen und Wege sind eng, kurvenreich und oft hügelig. Von einem Radwegenetz könne man nicht reden, sagt Gernot Epple vom Tübinger ADFC. Er sagt, bisher gebe es nur Segmente eines Radverkehrsnetzes.

Noch sind es einzelne Fäden. Es ist eben noch kein ganzes Netz daraus geflochten.

Gernot Epple, Tübinger ADFC

Das soll sich künftig ändern, zumindest, wenn es nach der Stadt geht. Tübingens Baubürgermeister Soehlke beschreibt den status quo in Tübingen aktuell als ein "Anlauf holen". Dann wolle man einen großen Sprung wagen.

Bis zu 35 Millionen sollen in das Radwegenetz fließen

Und der wird zumindest finanziell auch als solcher geplant: In den nächsten vier Jahren werde die Stadt Tübingen ungefähr 30 bis 35 Millionen Euro in die Verbesserung der Radinfrastruktur stecken, so Soehlke im SWR.

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Nächste Projekte sind Brücken

Knapp die Hälfte des Geldes soll laut Soehlke in drei Radbrücken fließen, die über den Neckar und die Bahngleise führen sollen. Als Vorbild dient dem Tübinger Baubürgermeister die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Dort habe man sich einiges abgeschaut, so Soehlke.

Außerdem solle noch eine Unterführung gebaut werden - und eine große Radstation am Hauptbahnhof mit einer Fahrrad-Tiefgarage. Und dann gibt es noch das "blaue Band" - so nenne man in der Stadt eine geplante Schnellverbindung.

Damit sollen Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer in Zukunft unterbrechungsfrei und sicher durch Tübingen fahren können. Den Spitznamen "blaues Band" bekam das Projekt, weil blaue Markiereungen und Schilder die Strecke sichtbar machen sollen.

Epple vom ADFC: "Bei Planung werden immer wieder Fehler gemacht"

Doch immer wieder würde bei der Planung ein grundlegender Fehler gemacht, sagt der Radexperte Epple vom ADFC Tübingen. Auch in Tübingen würden auf vielen Strecken Rad- und Fußwege zusammengelegt - ein grundsätzlicher Fehler, wie Epple betont. Fahrräder seien Fahrzeuge gehörten auf die Fahrbahn. Was es nun brauche, sei ein Kulturwandel, bei dem sich nicht der Schnellste durchsetzen dürfe.

Ich brauche eine gesamte Kultur, eine Kultur der gegenseitigen Rücksichtnahme. Das betrifft natürlich auch die Radfahrenden selbst.

Gernot Epple, Tübinger ADFC

Umgestalungen folgen - etwa in der Mühlstraße

Auf so ein Umdenken setze man auch im Bauamt der Stadt Tübingen. Als Beispiel aus der Praxis dafür nennt die Stadt die Sperrung der Mühlstraße ab September. Diese zentrale Nord-Süd-Achse verbindet derzeit den Bahnhof mit der Uni und ist ein gefährliches Nadelöhr. Der knappe Raum für alle Verkehrsteilnehmer soll dort zugunsten der Radler umverteilt werden, so Baubürgermeister Soehlke.

Autofahrer müssen zurückstecken

Dieses Umdenken könnte vielen Autofahrern Schmerzen bescheren - und Wählerstimmen kosten. Doch Soehlke und Tübingens Oberbürgermeister Palmer sind überzeugt: Für die angestrebte Klimaneutralität bis 2030 brauche es weniger motorisierten Individualverkehr, dafür mehr öffentlichen Nahverkehr und auch Radschnellwege. Die sind von Tübingen nach Rottenburg, Hechingen und Reutlingen ebenfalls in Planung. Das Ziel: Das Rad auf Dauer als gleichwertiges Verkehrsmittel in den Städten sehen.

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