Gottesdienst in der Tübinger Stiftskirche

Abschied von der Publizistin Inge Jens

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Die Publizistin Inge Jens wurde am Mittwoch auf dem Tübinger Stadtfriedhof beigesetzt. Zur Trauerfeier in der Stiftskirche kamen rund 200 Gäste.

Sie wollte ursprünglich einmal Ärztin werden, sie wurde Literaturwissenschaftlerin und angesehene Autorin, Pazifistin und Ehefrau des berühmten Rhetorik-Professors Walter Jens. Am 23. Dezember 2021, nur wenige Wochen vor ihrem 95 Geburtstag, ist Inge Jens in Tübingen gestorben.

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Den Trauergottesdienst in der Stiftskirche hatte Inge Jens sich still und schlicht gewünscht. Der Sarg war aus heller geölter Fichte, der Blumenschmuck bescheiden und zurückhaltend. Es sollte keine Ehrenfeier sein, keine Nachrufe geben, nur ein theologisches Geleit.

Prominente Gäste bei der Trauerfeier

Unter den Trauergästen waren unter anderem die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel und der Schriftsteller Peter Prange.

Ein Grab nahe anderen Geistesgrößen

Musikalisch umrahmt und begleitet wurde der Gottesdienst vom BachChor Tübingen mit Passagen aus Johannes Brahms' "Ein deutsches Requiem". Ihre letzte Ruhestätte fand Inge Jens im Familiengrab neben Ehemann Walter und Sohn Tilman auf dem Tübinger Stadtfriedhof, ganz in der Nähe vom Theologen Hans Küng, dem langjährigen Freund der Familie und weiteren Geistesgrößen.

In seiner Predigt sagte Pfarrer Karl Theodor Kleinknecht, Inge Jens hinterlasse eine Lücke in Tübingen und in der von intellektuellen Szene Deutschlands, die sie mit geprägt habe. Aber nicht Klage und Trauer sollten die weiteren Gedanken bestimmen, so Kleinknecht weiter, sondern Dankbarkeit. Das habe Inge Jens hinterlassen.

Trauerfeier Inge Jens (Foto: SWR, Roland Altenburger)
Der BachChor Tübingen bei der Trauerfeier für Inge Jens in der Stiftskirche Roland Altenburger

Gedenken an eine streitbare Friedensaktivistin

Gemeinsam mit ihrem Mann galt Inge Jens in den 1980er Jahren als Galionsfigur der Friedensbewegung. 1984 beteiligten sie sich an Sitzblockaden vor dem Atomwaffendepot Mutlangen (Ostalbkreis), während des Golfkriegs 1990 versteckte das Paar desertierte US-Soldaten in seinem Haus und kam dafür wegen Beihilfe zur Fahnenflucht vor Gericht.

Stiftskirche (Foto: SWR, Roland Altenburger)
Die Tübinger Stiftskirche am Mittwoch vor dem Trauergottesdienst für die Publizistin Inge Jens Roland Altenburger

Literaturwissenschaftlerin und Publizistin

Ebenfalls zusammen mit ihrem Mann veröffentlichte sie das Buch "Frau Thomas Mann - das Leben der Katharina Pringsheim", das zum Bestseller wurde. Inge Jens war da längst aus seinem Schatten herausgetreten. Die spätere Krankheit ihres Mannes verarbeitete Inge Jens drei Jahre nach seinem Tod in dem Buch "Langsames Entschwinden - vom Leben mit einem Demenzkranken".

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