Zwei Mitarbeiter der Firma Elite Holzbau stehen am 07.11.2016 auf dem Rohbau einer Produktionshalle aus Fichtenholz im Gewerbegebiet in Herzfelde (Brandenburg) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa (Symbolbild))

Diskussion über Bauweisen Klimaretter Holz?

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Die Bauminister der Länder wollen den Einsatz von Holz beim Bauen erleichtern. Es geht auch um eine Anpassung der Bauordnung. Das Ziel: Bauen klimafreundlicher machen.

Wer durch Tübingens historische Altstadt schlendert, der bekommt schnell das Gefühl, in der Zeit zu verreisen. Viele Jahrhunderte, zurück ins Mittelalter. Die kleinen Gassen und gut erhaltenen Fachwerkhäuser wirken auf den Besucher fast wie ein überdimensioniertes Freilichtmuseum. Und genau diese alten Häuser mit Holzskelett haben Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) nun inspiriert.

Bis 2030 will das grüne Stadtoberhaupt Bauherren in Tübingen dazu verpflichten mit Holz zu bauen. Auf Beton und Stahl soll hingegen weitgehend verzichtet werden. Das sei klimafreundlicher, so Palmer: "Beton ist extrem klimaschädlich, sehr energieintensiv und deshalb müssen alternative Werkstoffe verwenden. Deswegen ist der Gedanke: Hin zur Holzbauweise, CO2 in Gebäuden speichern, statt es in die Luft zu blasen." Aber ist das realistisch?

Holzbau auf dem Vormarsch

Holz als Baustoff wird seit einigen Jahren wieder beliebter. 2018 wurden laut Statistischem Bundesamt deutschlandweit rund 108.000 Wohnhäuser fertiggestellt, knapp jedes Fünfte davon aus Holz. In den vergangenen zehn Jahren hat der Holzhaus-Bau um knapp 50 Prozent zugelegt.

Olaf Lanz aus Ofterdingen bei Tübingen hat sich auf den Bau von Holz-Blockhäusern spezialisiert. Bis zu acht Häuser baut er mit seinen Mitarbeitern im Jahr. Alle individuell angefertigt und fast zu 100 Prozent aus Holz. Gerade entsteht auf seinem Hof ein Massivhaus in Nordamerika-Optik: Mit dicken, hundert Jahre alten Tannen-Stämmen. Für Lanz gibt es keinen besseren Werkstoff: "Holz ist für uns das Baumaterial Nummer eins. Es ist ein nachwachsender Rohstoff, den es hier in der Gegend relativ viel gibt."

Die Auftragsbücher des kleinen Unternehmens aus Ofterdingen sind voll. Es gebe einen Wunsch nach natürlichem Wohnraum, sagt Lanz: "Es ist ein angenehmeres Wohnen in einem Holzhaus, und unsere Kunden entscheiden sich bewusst für ein angenehmeres Wohnklima."  

Industrie zählt zu Klimasündern

Die Herstellung von konventionellen Baustoffen wie Zement, Eisen oder Stahl gilt als besonders klimaschädlich. Ein Kubikmeter Mauerziegel beispielsweise verbraucht bei der Produktion rund 138 Kilogramm Treibhausgase. Der Industriesektor macht nach Angaben des Umweltbundesamtes knapp ein Viertel des jährlichen Treibhausgasausstoßes in Deutschland aus. "Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, in Zukunft verstärkt auf Holzprodukte zu setzen“, sagt Sebastian Rüter vom Thünen-Institut in Hamburg.

Holz bindet klimaschädliche Treibhausgase aus der Atmosphäre. Nach Angaben des staatlichen Informationsportals Nachhaltiges Bauen nimmt ein Kubikmeter bis zu 766 Kilogramm auf. In einer gemeinsamen Studie mit der Ruhr Universität Bochum hat Rüter errechnet, wie viel Treibhausgase durch den verstärkten Bau von Holzhäusern in Deutschland eingespart werden können. Das Ergebnis ist deutlich: "Holz kann einen entscheiden Beitrag zum Klimaschutz leisten", so Rüter. Demnach könnten bis 2030 insgesamt 42 Millionen Tonnen an klimaschädlichen Treibhausgasen durch den verstärkten Einsatz von Holz als Baustoff eingespart werden. Aber ist überhaupt genügend Holz für das Bauen im großen Stil da?

Holzbedarf steigt

Klar ist: Der Bedarf an Holz wird steigen. Bislang wachsen in deutschen Wäldern im Jahr rund 120 Millionen Kubikmeter Holz nach, nur etwas mehr als die Hälfte wird davon geerntet. Diplom-Forstwirt Lutz Fähser mahnt trotzdem zum Paradigmen-Wechsel: "Zur Zeit ernten wir in Deutschland die Wälder viel zu intensiv und viel zu früh. Das heißt wenn wir langfristige Produkte, Holzbalken und Holzbauweise in Zukunft haben wollen, dann müssen wir die Wälder dichter werden lassen, die Bäume dicker werden lassen und älter werden lassen."

Auf der Bauministerkonferenz in Norderstedt (Schleswig-Holstein) wollen die Bauminister den Einsatz von Holz attraktiver machen, indem sie bestehende Brandschutzbestimmungen lockern. Bislang verhindert die so genannte Musterbauordnung beispielsweise den Bau von Holz-Hochhäusern. Das soll sich ändern, kündigt Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote an: "Unser Ziel ist hier ganz klar, ohne Abstriche an der Sicherheit für die Bewohnerinnen und Bewohner die Verwendung des klimaschonenden und kostengünstigen Baustoffes Holz zu ermöglichen". Demnach soll Holz als Baustoff künftig an der Stelle feuerbeständiger Bauteile eingesetzt werden können, sofern zusätzliche Brandsperren installiert werden und Fluchtwege weiterhin aus nicht brennbaren Materialien bestehen.

Das SKAIO (links) ist mit einer Höhe von 34 Metern das derzeit höchste Holzhaus Deutschlands. Das Gebäude - entworfen vom Berliner Architekturbüro Kaden und Lager - ist Teil der Stadtausstellung im Rahmen der BUGA Bundesgartenschau. (Foto: Imago, imago images / Arnulf Hettrich)
Das Holzhaus auf der BUGA in Heilbronn ist bundesweit das derzeit höchste seiner Art. Imago imago images / Arnulf Hettrich

Wie so ein Holzhochhaus aussehen könnte, zeigt ein Blick nach Heilbronn auf die dortige Bundesgartenschau. Dort steht das derzeit höchste Holzhaus Deutschlands - insgesamt 34 Meter schraubt es sich in die Höhe. Von außen ist es übrigens nicht als Holzhaus zu erkennen. Eine Aluminiumhülle verdeckt das Holz.

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