In Rottenburg (Kreis Tübingen) baut die Stadt eine neue Unterkunft für 70 bis 80 Geflüchtete.

Bischofsstadt setzt positives Zeichen

Rottenburg: 3,5 Millionen für Neubau für Geflüchtete

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Anne Schmidt
Anne Schmidt ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

Ein moderner Neubau mit Sozialräumen und Gemeinschaftsterrasse soll es werden. Rottenburg (Kreis Tübingen) nimmt viel Geld in die Hand: Am Mittwoch war feierlicher Baggerbiss.

In Rottenburg (Kreis Tübingen) sollen Geflüchtete mehr als nur ein Dach über dem Kopf erhalten. Die Stadt nimmt 3,5 Millionen Euro in die Hand, um eine neue Flüchtlingsunterkunft zu bauen. Auf einem Gelände am Neckar soll ein dreigeschossiges Gebäude in Holzbauweise entstehen.

Rottenburg: Unterkunft mit Lebensqualität

Insgesamt elf Wohneinheiten sind in der neuen Unterkunft vorgesehen, die Platz für insgesamt 70-80 Menschen bieten soll. Das Konzept sieht vor, dass die Bewohner vor Ort auch Ansprechpartnerinnen oder Ansprechpartner haben werden: Auch ein Sozialarbeiterbüro ist in dem Neubau geplant. Das Architekturbüro aus Ebhausen (Kreis Calw) plant außerdem eine Gemeinschaftsterrasse sowie einen Kinderspielplatz auf dem Gelände.

Flüchtlingsunterkunft Siebenlindenstraße in Rottenburg (Kreis Tübingen)
In Rottenburg (Kreis Tübingen) baut die Stadt eine neue Unterkunft für 70 bis 80 Geflüchtete.

Rottenburg investiert Millionen

Für den modernen Neubau nimmt die Stadt 3,5 Millionen Euro in die Hand. Das Land fördert das Vorhaben mit 720.000 Euro. Der Rottenburger Gemeinderat hatte zuletzt mit großer Mehrheit den Neubau befürwortet. Wegen der Förderung verpflichtet sich die Stadt Rottenburg, das Gebäude zehn Jahre lang als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen.

Künftige Nutzung als Obdachlosenunterkunft?

Wenn das Gebäude, wie geplant, Ende 2024 fertig gestellt wird, könnte es dann 2034 beispielsweise als Obdachlosenunterkunft genutzt werden, so die Stadt. Denn auf dem Grundstück im Bereich Siebenlinden befand sich zuletzt eine Obdachlosenunterkunft. Die 25 Bewohner wurden nun in Privatwohnungen verteilt. Eine Sanierung und Aufstockung des bestehenden Gebäudes kam laut Stadt nicht infrage. Sie wäre teurer als ein Neubau gewesen. Längerfristig soll die Unterkunft für Geflüchtete im Hammerwasen für Obdachlose genutzt werden, so Oberbürgermeister Stephan Neher beim feierlichen Baggerbiss.

Erfahrung mit Unterbringung von Geflüchteten

Bei der Unterbringung von Geflüchteten hat die Stadt Rottenburg bereits in der Vergangenheit improvisiert. Als im März 2022 in Rottenburg 100 ukrainische Flüchtlinge ankamen, wurden sie in einem Hotel untergebracht, welches weiterhin als Unterkunft dient.

Ehemaliges Hotel weiterhin Unterkunft

Die größte Unterkunft in Rottenburg ist weiterhin das ehemalige Hotel Convita. Dort leben nach Auskunft einer Sprecherin aktuell 70 Geflüchtete, vorwiegend aus der Ukraine. Weitere 216 Geflüchtete seien aktuell privat oder in angemieteten Wohnungen untergebracht, sagte sie dem SWR. Die Stadt hat laut Neher über 100 Wohnungen für Flüchtlinge angemietet.

"Je mehr Menschen verschiedener Nationalitäten in einem Haus wohnen, desto besser ist es, man hat einen, der dann und wann mal vorbeischaut."  

Wer in dem Neubau im Gebiet Siebenlinden Ende 2024 untergebracht werden wird, ist noch offen, so Neher. Man könne angesichts der vielen Konflikte nicht einschätzen, aus welchen Ländern die Geflüchteten künftig kommen werden. Die Stadt habe aus 2015 gelernt. Da habe man beim Bau des ersten Gebäudes für Geflüchtete den Raum für Sozialarbeiter zu gering bemessen. Das wolle man beim Neubau berücksichtigen, sagte Neher dem SWR.

Baggerbiss Flüchtlingsunterkunft Rottenburg
In Rottenburg (Kreis Tübingen) baut die Stadt eine neue Unterkunft für 70 bis 80 Geflüchtete.

Willkommenskultur wichtig

Die Diözesanstadt Rottenburg (Kreis Tübingen) will Geflüchteten und Migranten ein Umfeld schaffen, in dem sie sich willkommen fühlen können und hat eigens ihren Internetauftritt erweitert. So wurde beim städtischen Internetauftritt der Themenbereich Bürgerschaftliches Engagement/Integration um die Seite "Willkommenskultur" erweitert. Menschen, die sich in der Diözesanstadt ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren möchten, finden dort Informationen zu bestehenden Initiativen und deren Ansprechpartnern. Außerdem können dort geplante Projekte gemeldet werden.

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