Neue Trasse durchs Neckartal

B28 zwischen Tübingen und Rottenburg eingeweiht

STAND
AUTOR/IN
Ulrike Mix

Der Abschnitt der neuen B28 zwischen Tübingen-Weilheim und Rottenburg hat gut 53 Millionen Euro gekostet. Zwölf Hektar Fläche wurden dafür verbraucht. Ab Freitag rollen die Autos.

B28 Eröffnung (Foto: SWR)
Verkehrsminister Hermann (Grüne) hat die B28 eröffnet.

Auf der neuen B28 können ab Freitag bis zu 22.000 Fahrzeuge staufrei von Rottenburg nach Tübingen brausen. Für die lärmgeplagten Anwohner der bisherigen, alten Straße bedeutet die neue Trasse eine gewaltige Entlastung. Für den Naturschutz ist sie eine weitere Achse, die neben der Bahnlinie das Neckartal durchschneidet.

Wichtige Verkehrsachse für die Region Neckar-Alb

Verkehrsstaatsekretär Michael Theurer (FDP), Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser (CDU) eröffneten im Beisein kommunaler Vertreter die neue Bundesstraße. Theurer sagte, mit dem Neubau würden eine wichtige Verkehrsachse gestärkt und Ortsdurchfahrten entlastet. Eine moderne Infrastruktur sei für den Wirtschaftsstandort Deutschland von zentraler Bedeutung.

Lange auf Neubau gewartet

Verkehrsminister Hermann unterstrich die Verbesserung der Lebensqualität für die Anwohner. Zusammen mit der Bahnstrecke und dem geplanten Radschnellweg bilde die Strecke ein hohes Potenzial für die Mobilität in der Region. Außerdem habe der Neubau sehr wenig Fläche verbraucht. Tappeser betonte, dass man lange auf den Neubau gewartet habe. Endlich sei er Realität. Und Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher (CDU) ergänzte, nun habe die Stadt eine optimale Verbindung nach Tübingen.

B28 Eröffnung (Foto: SWR)
Gegen die B28 wurde auch bei der öffentlichen Einweihung protestiert.

Straßenbau in Zeiten der Klimakrise und des Artensterbens

Der Bund Naturschutz (BUND) Neckar-Alb fand weniger positive Worte für die neu gebaute B28. Denn allein gut zwölf Hektar Fläche wurden für den Bau versiegelt. Außerdem zerschneide die Trasse Erholungsgebiete für Menschen und Lebensräume von Tieren, etwa von Fledermäusen. Damit die nicht gegen vorbeifahrende Laster fliegen, wurde bei Tübingen-Bühl eine vier Meter hohe Bretterwand gebaut.

BUND: B28 Ausbau ist nur kurzfristige Entlastung

Die Geschäftsführerin des BUND Neckar-Alb, Barbara Lupp, freut sich zwar, dass die an der B28 gelegenen Dörfer vom Verkehr entlastet werden. Die neue B28 ist für sie aber nur eine Scheinlösung, da gut ausgebaute Straßen mehr Verkehr erzeugen würden. Die neue B28 werde eine kurzfristige Entlastung bringen. Danach werde Tübingen mit noch mehr Verkehr zu kämpfen haben, befürchtet Lupp. Statt immer neue Flächen zu asphaltieren, brauche man eine Verkehrswende, vor allem einen besseren öffentlichen Nahverkehr im Neckartal. Doch das Regierungspräsidium Tübingen setze voll auf Straßenbau. Der nächste Bauabschnitt der B28 sei bereits anvisiert. Das Regierungspräsidium Tübingen will die B28 auch zwischen Rottenburg und der A81 erweitern. Der BUND lehnt das ab.

"Das Regierungspräsidium Tübingen plant und baut überregionale Straßen, als gäbe es weder eine Klima- noch eine Biodiversitätskrise, so der Eindruck der Natur- und Umweltschutzverbände im Landkreis Tübingen."

B28 Luftbild Strecke Tübingen-Rottenburg (Foto: Pressestelle, Regierungspräsidium Tübingen)
Die neue B28 bei Rottenburg Pressestelle Regierungspräsidium Tübingen

Die B28 zwischen Tübingen und Rottenburg - ein Projekt mit langer Laufzeit

Der Ausbau der B28 zwischen Tübingen und Rottenburg hat eine lange Vorgeschichte. 1999 erging nach Angaben des Regierungspräsidiums Tübingen der Planfeststellungsbeschluss. Bis 2007 wurden dann erste Abschnitte der Strecke bei Rottenburg und Tübingen gebaut. Was fehlte, war das knapp sieben Kilometer lange Verbindungsstück. Spatenstich dafür war vor sechs Jahren. Bevor aber wirklich gebaut werden konnte, mussten zunächst noch 300 Stabbrandbomben und 150 Kilo Munition aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen und beseitigt werden. Auch während des Baus kam es zu Verzögerungen, beispielsweise wegen der Engpässe durch die Corona-Pandemie. Deshalb konnten Lärmschutzwände und ein Regenrückhaltebecken im vergangenen Jahr nicht pünktlich geliefert werden.

Mehr Lärmschutz für die Anwohner

Um die Lärmbelästigung durch die täglich bis zu 22.000 prognostizierten Fahrzeuge zu mindern, wurden an der B28 teils Schutzwälle aufgeschüttet. Auch Lärmschutzwände hat das Regierungspräsidium Tübingen gebaut, nach Ansicht der Anwohner jedoch nicht genug. Im Bereich des Tübinger Teilortes Bühl und des Rottenburger Teilorts Kiebingen haben die Anwohner erfolgreich um zusätzliche Lärmschutzwände gekämpft. Die Kosten dafür tragen die Städte Tübingen und Rottenburg, da das Land keinen Grund für weiteren Lärmschutz sah. Die Lärmgutachten waren zu dem Schluss gekommen, dass der Verkehrslärm im Rahmen bleiben würde.

Mehr zum Thema

Stuttgart

Verkehrsaufkommen nur etwas entlastet Trotz Eröffnung des Stuttgarter Rosensteintunnels: Weiter Ärger und Frust wegen Stau

Seit vergangenem Samstag ist der Rosensteintunnel für den Verkehr freigegeben. Doch Autos und Lkw stehen am Leuze-Knoten trotzdem weiterhin im Stau.  mehr...

Murg

Irritationen beim Weiterbau der Hochrheinautobahn Verkehrsminister zurückgepfiffen: Landesregierung hält an Ausbau der A98 weiter fest

Braucht es eine Hochrheinautobahn oder reicht auch eine Bundesstraße? Landesverkehrsminister Winfried Hermann hat die alte Debatte erneut losgetreten und kassiert eine Niederlage.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
Ulrike Mix