Die Textil-Version der Künstlerin Stefanie Alraune Siebert kocht sich selbst. (Foto: SWR)

Ausstellungseröffnung in Alraunes Privatmuseum

"Alraune im Champagner-Sud" zeigt skurrile Welten aus Stoff in Haigerloch

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Im ehemaligen Landgasthaus "Schwanen" kocht sich die Stoffversion der Künstlerin Stefanie Alraune Siebert selbst. Und Hitler wäscht seine Seele in der Seelen-Waschmaschine.

In der Küche im Erdgeschoss des Gasthofs bedienen sich die lebensgroßen Gäste aus Stoff selbst. In einem großen Topf, aus dem die Watte schon emporkocht, sitzt Alraune. Natürlich als Stofffigur. Die Hotelgäste kippen noch ordentlich Textil-Champagner dazu, während die Köche streiken. Sie haben sich gleich um die Ecke zum Rauchen und Trinken getroffen. Die Szenen der neuen Ausstellung "Alraune im Champagner-Sud" sind nicht selten schaurig-schön.

Mit Phobie zur Tier-Therapie

Wie zum Beispiel die Tier-Therapie, die es in einem Zimmer im zweiten Stock zu bestaunen gibt. Dort krabbeln Ratten, Mäuse und Spinnen über die lebensgroßen Stofffiguren und bekämpfen deren Phobien. Das sei ganz schön gruselig, meint eine Besucherin. Dann fügt sie lachend hinzu: "Hoffentlich träume ich heute Nacht nicht davon!". Es sind viele Besucherinnen und Besucher zur Ausstellungseröffnung am Ostersonntag gekommen. Sie sind fasziniert, was alles aus Stoffen entstehen kann.

Spinnen, Ratten und Mäuse krabbeln über die lebensgroßen Stofffiguren. (Foto: SWR)
Spinnen, Ratten und Mäuse krabbeln über die lebensgroßen Stofffiguren.

Handgenähte Gesichter

Das meiste näht Alraune per Hand. Insbesondere Gesichter könne man nicht mit der Maschine nähen, erzählt sie. Es müsse direkt von der Hand in den Stoff fließen. Dass die Gesichter nicht unbedingt hübsch sind, sei Absicht. "Ich würde nie schöne Figuren machen wollen. Schön bin ich ja selber", so die Künstlerin.

Hitler und die Seelen-Waschmaschine

Ziemlich mitgenommen sieht dagegen Adolf Hitler aus, der in der ersten Etage hinter einer Plexiglasscheibe steht. Schließlich ist seine Seele aber auch in der Seelen-Waschmaschine, in der er sie reinwaschen will. Alraune bezweifelt allerdings, dass das funktioniert. Eigentlich sei Hitler nur wegen Marlene Dietrich entstanden, sagt die Künstlerin. Als sie Dietrich genäht habe, habe sie viele Bücher über die Schauspielerin und Sängerin gelesen, die sich damals deutlich von der Naziideologie distanzierte. Beim Lesen sei ihr immer wieder auch Hitler begegnet. "Ich wollte versuchen, ob ich diese Faszination des Bösen nähen kann", so Alraune. Nun stehen Marlene Dietrich und Adolf Hitler also auf einer Etage in Alraunes Ausstellung.

Alraune Hitler (Foto: SWR, Anna Priese)
Im ersten Stock versucht Hitler seine Seele in der Waschmaschine reinzuwaschen. Anna Priese

Alraune badet noch bis 30. Oktober im Champagner-Sud

Neben einem klanglosen Hauskonzert der Haigerlocher Unterstadt-Katzen, hat übrigens auch Miss Marple einen neuen Fall zu lösen. Denn die Zimmerhilfe Roselind hat eine gebratene Gans gefunden, deren Inhalt verdächtig erscheint. Die mal lustigen, mal irritierenden Stoff-Szenen der Ausstellung "Alraune im Champagner-Sud" sind noch bis 30.10.2022 in Alraunes Privatmuseum in Haigerloch (Zollernalbkreis) zu sehen. Geöffnet ist das Museum donnerstags, freitags, sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr.

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