Streuobstwiese Gönningen (Foto: SWR, Stefanie Assenheimer)

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Obstbaumwiese in Gönningen soll Wohngebiet werden

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Am Ortsrand von Gönningen (Kreis Reutlingen) gibt es eine alte Obstbaumwiese. Weil Wohnraum knapp ist, will die Verwaltung dort Häuser bauen. Eine Bürgerinitiative kämpft dagegen.

Die Wiese schmiegt sich in die hügelige Landschaft der Schwäbischen Alb. Sie grenzt direkt an ein Wohngebiet von Gönningen. "Hinter Höfen" heißt die 1,8 Hektar große Fläche, die die Verwaltung bebauen will.

"Dieses potentielle Neubaugebiet ist bereits von drei Seiten von Bebauung umgeben. Und ist seit über 50 Jahren im Flächennutzungsplan als Entwicklungsfläche drin und von daher bietet es sich einfach an. Wir haben 2009 ein Ortsentwicklungskonzept aufgelegt und haben damals verschiedene Fläche untersucht, die sich eignen würden."

Übrig blieb "Hinter Höfen". Eine eher kleine Fläche, meint Christel Pahl. Sie erklärt, dass 50 Wohneinheiten geplant seien: eine Kombination aus Mehr- und Einfamilienhäusern, sozialem Wohnungsbau und einem Kindergarten.

Wohnraum für junge Familien

Vor einigen Jahren habe Gönningen die Werkrealschule verloren. Mit der Bebauung wolle man die Grundschule stärken, so Pahl. "Das heißt, wir brauchen junge Familien, wir brauchen Nachwuchs, wir brauchen den Nachwuchs auch für unsere Vereine", sonst blute das Dorf aus. Um alternative Wohnmöglichkeiten sei man bemüht. So habe es 2011 eine Baulückenbörse der Stadt Reutlingen gegeben. Von 60 Baulücken in Gönningen seien heute 20 bebaut.

Bürgerinitiative kämpft für Obstwiese

Für die Bürgerinitiative "Kein Neubaugebiet Hinter Höfen" ist das zu wenig. Die Mitglieder wollen ebenfalls, dass junge Familien im Dorf wohnen und dass das Leben lebendig bleibt, doch ihr Ansatz ist ein anderer.

Es gebe noch viele alte, unbewohnte Häuser im Ort. Dieser Leerstand müsse beseitigt werden, sagt Fabio Cani. Er fordert zudem: Bauplätze, die schon erschlossen sind, müssen reaktiviert werden. Darauf solle man sich konzentrieren. Die Zeiten hätten sich geändert, sagt Elke Rogge von der Bürgerinititaive.

"Wir müssen anders denken. Wir können nicht mehr alle Flächen versiegeln. Wir habe gesehen, dass die Hochwasser kommen, dass sich das Klima verschlechtert, dass sich die Luft verschlechtert, dass die Arten aussterben."

Konflikt zwischen Naturschutz und Wohnungsnot

Die Bürgerinitiative kämpft seit rund 13 Jahren für den Erhalt der Wiesen rund um Gönningen. Die Verwaltung sieht das Dilemma durchaus. Man versuche so wenig wie möglich Grünfläche zu verbrauchen, so Bezirksbürgermeisterin Pahl. Allerdings gebe es ein Gutachten zum Zustand der Bäume, einige würden in den nächsten Jahren ohnehin absterben, so Pahl. Es wurde zudem ein Artengutachten erstellt. Man habe nichts Aufregendes im Gebiet gefunden, das eine Entwicklung verbieten würde.

Die Verwaltung will auf dieser Streuobstwiese in Gönningen Häuser und einen Kindergarten bauen. (Foto: SWR, Stefanie Assenheimer)
Die Verwaltung will auf dieser Streuobstwiese in Gönningen Häuser und einen Kindergarten bauen. Stefanie Assenheimer

Es ist ein schier unlösbarer Konflikt zwischen Wohnungsnot und Naturschutz, denn was die Verwaltung als machbar ansieht, ist für die Gönninger Bürgerinitiative undenkbar. Sie wird weiterkämpfen für den Erhalt ihrer Streuobstwiese.

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