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Am Landgericht Tübingen hat der Prozess gegen einen Reutlinger Arzt wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung begonnen. Grund ist ein Schmerzpflaster.

Landgericht Tübingen (Foto: SWR)
Das Landgericht Tübingen verhandelt gegen einen Arzt wegen Körperverletzung.

Laut Anklage hat der Arzt im November 2018 einer 80-jährigen Patientin in einem Pflegeheim in Pfullingen (Kreis Reutlingen) ein Pflaster mit einem gefährlichen Schmerzmittel verschrieben, ohne sie vorher richtig zu untersuchen. Außerdem hatte die Pflegerin Bedenken. Der Frau sei es daraufhin deutlich schlechter gegangen. Die Pflegerin habe nach einem Telefonat mit dem Arzt das Pflaster entfernt, so die Staatsanwaltschaft.

Gegenmittel gespritzt

Bei seinem zweiten Besuch habe der Angeklagte nichts weiter unternommen, um sie zu retten. Nur nach Aufforderung der Pflegerin habe er die Tochter angerufen, die eine Vollmacht hatte. Sie bestand auf medizinischer Hilfe für ihre Mutter, hieß es in der Anklageschrift. Die Sanitäter, die die 80-Jährige ins Krankenhaus bringen sollten, hätten dann einen Notarzt eingeschaltet. Dieser spritzte der 80-Jährigen ein Gegenmittel spritzte und rettete sie.

Arzt unter Zeitdruck

Der Angeklagte sagte aus, er habe an dem Tag während seines Notdienstes sehr viel Arbeit gehabt. Die 80-Jährige habe wegen mehrerer Brüche starke Schmerzen gehabt. Um sie zu schonen, habe er sie nicht genauer untersucht, sondern das Opioid verschrieben. Weitere Patienten hätten bereits gewartet. Nach dem Anruf der Pflegerin habe er das Pflaster entfernen lassen.

Angeklagter: "Keine Lebensgefahr"

Bei seinem zweiten Besuch habe keine Lebensgefahr bestanden. Er habe mit der Tochter telefoniert und die Frau ins Krankenhaus bringen lassen. Danach habe er schon wieder einen Einsatz gehabt. Der Arzt bedauerte vor Gericht seinen Fehler sehr, er habe der Patientin helfen wollen. Heute würde er anders handeln. Er sei schwer getroffen von den Vorwürfen. Das Gericht will nun Zeugen hören. Ein Urteil wird in der kommenden Woche erwartet.

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