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Viele Jugendliche wissen gegen Ende ihrer Schulzeit, wie es weitergeht. Doch Corona hat die Situation verändert. In eineinhalb Jahren Pandemie fiel die übliche Berufsorientierung fast komplett weg.

Die Theodor-Heuss-Schule in Reutlingen ist eine der größten Schulen im Land für kaufmännische Berufe. Beim jetzigen Abschluss-Jahrgang ist die Unsicherheit groß. Die Wissenslücken seien größer geworden, viele ihrer Schüler hätten Angst vor der Zukunft, sagen die Lehrer. Oft wüssten sie nicht, was sie machen sollen.

Viel mehr Wiederholer

Hinter den Schülern und Schülerinnen liegen schwierige Zeiten mit viel Online-Unterricht und wenig Präsenz. Die Zahl der Sitzenbleiber sei deutlich gestiegen, sagt Horst Kern, der Geschäftsführende Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule. Waren es in der Wirtschaftsschule bislang 12 bis 15 Prozent, die eine Klasse wiederholen mussten, so seien es nun 40 bis 45 Prozent.

Online-Unterricht Ausrüstung mit Schulbuch, Laptop und Tablet. (Foto: dpa Bildfunk, Felix Kästle)
Nach dem Online-Unterricht hatten viele Schüler keine Lust mehr auf Video-Beratungen des Arbeitsamtes. Felix Kästle

Online-Angebote wurden wenig genutzt

Ein weiteres Problem: es gibt laut Schulleiter deutlich weniger Ausbildungsverträge als in den Vorjahren. Es gab keine Ausbildungsmessen und keine Berufsberatung in Präsenz, keine Berufsorientierung. Die Reutlinger Arbeitsagentur versuchte, Alternativen anzubieten, so Chef Wilhelm Schreyeck. Doch das Angebot, mit Beratern zu telefonieren oder sich in Videoschalten beraten zu lassen, haben die Jugendlichen kaum genutzt. Offenbar war die Hemmschwelle zu hoch. Außerdem fehlte den Schüler und Schülerinnen nach mehreren Stunden Online-Unterricht wohl die Motivation, sich am Bildschirm über ihre berufliche Zukunft zu informieren.

Berufsberater kommen an Schulen

Doch was tun mit all den vielen Wiederholern und Orientierungslosen? Die Betriebe suchen Auszubildende, es gibt deutlich weniger Bewerber als offene Ausbildungsstellen. Der Fachkräftemangel droht sich noch zu verschärfen. Deshalb arbeitet das Arbeitsamt mit den Berufsschulen in den Kreisen Reutlingen und Tübingen zusammen. Agentur-Chef Schreyeck will die Präsenz der Arbeitsagentur dort massiv erhöhen. Die Berufsberater und -beraterinnen sollen in den kommenden Wochen den ganzen Tag dort vor Ort sein, um die jungen Leute zu beraten.

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