Äpfel werden zum Entsaften abgegeben. (Foto: SWR, Luisa Klink)

Entsaften beginnt früher als sonst

Streuobst leidet unter Trockenheit - Äpfel können in Weilheim abgegeben werden

STAND
AUTOR/IN
Luisa Sophie Klink

In Tübingen-Weilheim hat am Samstag die erste Apfelannahme-Station in der Region eröffnet. Wegen der Hitze starten die Entsafter früher in die Saison.

Äpfel jeder Sorte und Größe können bis Mitte Oktober im Tübinger Stadtteil Weilheim abgegeben werden. Faules Obst muss vorher aussortiert werden. Roland Glaser, ehemaliger Ortsvorsteher von Weilheim, managt seit über 20 Jahren die Annahmestelle und weiß, wie die Ernte in den vergangenen Jahren ausgefallen ist. Mal mehr, mal weniger, aber die Auswirkungen des Klimawandels machten sich bemerkbar, so Glaser. Die Trockenheit macht den Bäumen schwer zu schaffen. Um überleben zu können, werfen sie ihre Äpfel früher ab, was sich auf die Qualität auswirkt.

SWR Reporterin Luisa Klink war dabei, als die ersten Äpfel in diesem Jahr für frischen Apfelsaft auf’s Band rollten:

Glaser gibt sich mit dem ersten Annahme-Tag zufrieden: "Rund zehn Tonnen sind zusammengekommen, ein durchschnittlicher erster Tag." 2013 zählte er während der gesamten Saison nur rund 15 Tonnen, 2018 waren es mehr als 40-mal so viel, nämlich über 600 Tonnen. Dieses Jahr erwartet der Weilheimer nur eine halb so gute Ernte wie in den Spitzenjahren. Der Jahresdurchschnitt liegt bei 200 Tonnen.

Trockenheit trübt Apfelernte

Auch die Kunden sind mit Ernte und Qualität dieses Jahr nicht zufrieden. Die Trockenheit führe zu "Notreife" und "Sonnenbrand".

"Die Äpfel sind nicht so saftig - deshalb leidet der Geschmack."

Kilopreis variiert von Jahr zu Jahr

Dieses Jahr liege der Preis für hundert Kilo bei rund zehn Euro, sagt die Enkelin des ehemaligen Ortsvorstehers, Laura Glaser. Von Kindesbeinen an unterstützt sie ihren Opa tatkräftig, wenn die Apfel-Saison startet. "Am Anfang ist der Preis aber immer noch etwas niedriger - das ist normal." Die Kunden können zwischen einer Barauszahlung oder einer Saftgutschrift wählen. Beliebt ist die Gutschrift, denn da kostet eine Flasche Saft nur knapp halb so viel wie regulär. Für rund 50 Kilo Äpfel bekommt man aktuell circa 30 Liter Saft.

Organisator Roland Glaser und Enkelin Laura Glaser nehmen die ersten Äpfel in diesem Jahr an. Weiter geht die Reise für sie nach Neckartailfingen zum Entsaften. (Foto: SWR, Luisa Klink)
Roland Glaser kennt die meisten bei der Apfelannahme in Weilheim persönlich. Immer mit dabei seine Enkelin Laura Glaser - sie notiert die abgegebene Menge, Anschrift und Namen und kümmert sich um die Kasse. Luisa Klink

Zum Entsaften nach Neckartailfingen

Von der Weilheimer Annahmestelle werden die Äpfel direkt nach Neckartailfingen (Kreis Esslingen) zum Safthersteller Häussermann transportiert. Dort angekommen, werden sie nochmal sortiert, geraspelt und schließlich zu frischem Apfelsaft gepresst.

Mehr zum Thema Streuobst

Reutlingen

Kein Entsorgen auf Recyclinghöfen Trockenheit sorgt für viel Fallobst zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb

Durch die Trockenheit lassen Obstbäume derzeit ihre Früchte fallen. Es gibt viel Fallobst. Oft ist es faulig und lässt sich kaum verwerten. Auch das Entsorgen ist problematisch.

Ravensburg

Ökologie und Landwirtschaft ergänzen sich "Obstivisten" setzen sich für Streuobstwiesen in Oberschwaben ein

Streuobstwiesen sind kaum noch wirtschaftlich. Ökologisch sind sie jedoch wertvoll. Die Initiative "Obstivisten" aus Ravensburg will das Image der Produkte aus Streuobstanbau stärken.

SWR4 BW aus dem Studio Friedrichshafen SWR4 BW aus dem Studio Friedrichshafen

Umwelt Streuobstwiesen – Rettung eines gefährdeten Ökosystems

Seit Jahrzehnten schrumpfen die deutschen Streuobstwiesen. Doch vielerorts wird jetzt gegengesteuert - mit neuen Geschäftsideen rund um alte Obstsorten.

SWR2 Wissen SWR2

STAND
AUTOR/IN
Luisa Sophie Klink