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Anwohner müssen voraussichtlich für ihre Parkausweise künftig tief in die Tasche greifen. In Tübingen und Reutlingen könnte es eine Erhöhung von 30 auf 360 Euro im Jahr geben.

Der Bund hat 2020 die Zuständigkeit für die Parkausweise an das Land abgegeben. Das Land plant nun noch vor August, es an die Kommunen weiterzugeben. Und diese haben angekündigt, das Parken für Anwohner dann deutlich teurer zu machen. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) fordert 30 Euro im Monat. Reutlingen plant einen ähnlich hohen Betrag. Ziel ist es, Menschen davon zu überzeugen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Mit den zusätzlichen Einnahmen will die Stadt Tübingen dann unter anderem Bustickets billiger machen.

Umsteigen auf öffentlichen Personennahverkehr soll angekurbelt werden

Palmer findet 30 Euro im Monat immer noch günstig. Für den Tübinger Oberbürgermeister passen die Autos in der Stadt schon lange nicht mehr zu seinen Klimaschutzzielen. Er will das Umsteigen auf den öffentlichen Personennahverkehr ankurbeln. Der sei so gut ausgebaut, dass kaum noch jemand vom Auto abhängig sein müsste, so Palmer. So manche Anwohner sehen das anders.

"Für die Anwohner, die darauf angewiesen sind, ist das echt schwierig. Das ist schon zapfig. Das Leben wird immer teurer."

Palmer rechnet damit, dass im September geklärt wird, ob das Anwohnerparken viermal, fünfmal oder zehnmal so teuer wird wie zurzeit. Bei rund 8.000 Anwohnerparkplätzen fließt deutlich mehr Geld in die Stadtkasse. Das will Palmer in den Klimaschutz investieren. Die Alternativen zum eigenen Auto sollen gestärkt werden, so Palmer. Das Parken teurer machen für den Klimaschutz wird auch in Reutlingen diskutiert. Auch da könnte eine Verzehnfachung von 30 auf über 300 Euro drohen. Die Stadt hat extra eine Klimaschutzagentur beauftragt, um Pläne für weniger Autos in der Stadt zu entwickeln. Andere Städte wie etwa Balingen haben angekündigt, die neuen gesetzlichen Freiheiten nicht auszuschöpfen und die Gebühren erstmal nicht zu erhöhen. In Reutlingen und Tübingen sind jedoch noch intensive Debatten zu erwarten.

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