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Er war einer der bekanntesten Wirtschaftsanwälte Deutschlands: Andreas Tilp aus Kirchentellinsfurt im Kreis Tübingen. Wie jetzt bekannt wurde, starb er bei einem Fahrradunfall.

Es geschah vor einer Woche, am Gründonnerstag: In der Nähe von Kirchentellinsfurt, wo seine Kanzlei ihren Sitz hat, war Andreas Tilp mit dem Elektrofahrrad auf einem Waldweg unterwegs. An einer steilen Stelle stürzte der 58-Jährige einen Abhang hinunter und verletzte sich so schwer, dass er noch an der Unfallstelle starb. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder.

Er legte sich mit großen Konzernen an

Der 1963 in Plochingen geborene Tilp hat in Tübingen Jura studiert. 1994 gründete er die Rechtsanwaltskanzlei, die mit Klagen wegen des Börsengangs der Telekom und im Dieselskandal gegen den Volkswagen-Konzern bundesweit bekannt wurde. Zuletzt war Tilp einer der bekanntesten Anleger-Anwälte in Deutschland. Auch gegen Porsche, Großbanken und zuletzt den wegen vermuteten Betrugs untergegangenen Finanzdienstleister Wirecard kämpfte Tilp für Käufer und Kleinanleger.

Recht und Ehrlichkeit

Als "Rächer der Aktionäre" hat ihn einmal eine Zeitung bezeichnet. In dieser Rolle sah er sich selbst aber nicht. In einem SWR-Interview sagte er vor einigen Jahren, es gehe ihm um Recht und Gerechtigkeit für seine Mandanten, die Anleger. Und er arbeitete daran, dass sich das Ansehen der Anleger bei Gerichten änderte. Seine Kanzlei trage seit über 20 Jahren dazu bei, dass die Richter ein realistisches Bild von Finanzgeschäften bekommen haben. Denn die seien oft alles andere als ehrlich, so Tilp.

Im Gespräch mit dem SWR sagte Alexander Heinrich, einer von neun Anwälten in Tilps Kanzlei, die Arbeit dort "wird in seinem Namen und in seinem Willen weitergeführt".

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