Ein Verkehrszeichen Zebrastreifen mit Regentropfen (Foto: SWR, Jürgen Härpfer)

Energie sparen oder sicher im Straßenverkehr?

Energiekrise: Tübingen schaltet Licht an Zebrastreifen aus

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Zebrastreifen müssen beleuchtet sein - so die Straßenverkehrsordnung. Doch einzelne Kommunen schalten das Licht aus, um Energie zu sparen. Wer aber haftet bei einem Unfall?

Tübingen, Rottenburg und Mengen (Kreis Sigmaringen) schalten nachts die gesamte Straßenbeleuchtung aus. Das heißt, auch die Zebrastreifen bleiben dunkel. Das sagten die Kommunen dem SWR. In Tübingen beispielsweise bleibt das Licht aus von sonntags bis donnerstags zwischen ein und fünf Uhr morgens. In Mengen zwischen Mitternacht und fünf Uhr. Dort arbeite man derzeit aber an einer separaten Steuerung für die Zebrastreifen, so die Stadtverwaltung.

Verkehrsministerium: Zebrastreifen müssen beleuchtet sein

Die Beleuchtung an Zebrastreifen darf aus Verkehrssicherheitsgründen bei Nacht nicht abgeschaltet werden, heißt es aus dem Stuttgarter Verkehrsministerium auf eine Anfrage des SWR. Laut Paragraf 26 der Straßenverkehrsordnung und Verwaltungsvorschrift müssen Zebrastreifen beleuchtet sein. Man dürfe sie auch nicht ausmachen, um Energie zu sparen. Verhalten sich Tübingen, Rottenburg und Mengen also rechtswidrig? Da müsse man den Einzelfall prüfen, sagte eine Sprecherin aus dem Ministerium. Die Lage sei also eindeutig.

Was, wenn ein Unfall passiert?

Was passiert also, wenn auf unbeleuchteten Straßen und besonders an Zebrastreifen Unfälle geschehen? Aus dem Stuttgarter Innenministerium heißt es dazu: "Licht anschalten an Zebrastreifen ist nur eine Verwaltungsvorschrift." Für die Kommunen, die das Licht abschalten, würden keine Strafen anfallen. Möglich wäre aber bei einem Unfall, dass die Stadt von der Versicherung in Regress genommen werde, weil die Vorschrift missachtet wurde, so das Innenministerium. Die Sprecherin des Verkehrsministeriums aber findet es fraglich, durch Energiesparen ein Menschenleben zu riskieren.

Tübingens Ordnungsbürgermeisterin Daniela Harsch (SPD) findet die nächtliche Beleuchtung wichtig. Trotzdem müsse und wolle die Stadt zu diesem Mittel greifen.

"Ich verstehe jeden Kritiker, jede Kritikerin, aber wenn es hart auf hart kommt, müssen wir Strom sparen. Und dies ist eine Variante, mit der wir wenige Menschen belasten."

Licht reduzieren und Strom sparen

Der Tübinger Oberbürgermeister, Boris Palmer, schrieb in einem offenen Brief, die Stadt senke ihren Stromverbrauch mit der nächtlichen Abschaltung der Straßenbeleuchtung um etwa zehn Prozent. Die Sicherheit leide darunter nicht wirklich.

Im Tübinger Teilort Hirschau gibt es Straßenlaternen mit Bewegungssensoren. Sie leuchten nachts nur schwach, werden aber heller, wenn sich Menschen nähern. Andere Städte, etwa Freudenstadt, reduzieren die Lichtstärke auf 50 Prozent, schalten aber nicht ganz ab.

Rottenburger OB Neher sichert sich ab

Der Rottenburger Oberbürgermeister Stephan Neher (CDU) sagte, er habe sich bei einer Versicherung informiert und rechne nicht damit, dass die Stadt bei möglichen Unfällen mithafte.

Ob das wirklich stimmt, will aber niemand ausprobieren. Damit es also auch nachts nicht zu Unfällen an unbeleuchteten Zebrastreifen kommt, sollten sich Fußgänger und Autofahrer vorsichtig und umsichtig verhalten. Also, Augen auf im Straßenverkehr, besonders nachts.

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