Wissenschaftliche Studie verfälscht Sanktionen gegen Tübinger Hirnforscher beschlossen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft wirft dem weltweit bekannten Tübinger Hirnforscher Niels Birbaumer schwere wissenschaftliche Fehler vor. Er soll Daten nicht korrekt ausgewertet und so eine Studie verfälscht haben.

Niels Birbaumer darf deshalb für fünf Jahre keine Förderanträge mehr bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) stellen, muss Veröffentlichungen zurückziehen und DFG-Fördermittel zurückzahlen. Das teilte die DFG am Donnerstag in Bonn mit. Birbaumer hatte in der Studie behauptet, er könne mit komplett gelähmten Menschen kommunizieren, indem er ihnen eine spezielle Haube auf den Kopf setze und ihre Hirnströme aufzeichne. So konnte er nach eigenen Angaben zwischen Ja- und Nein-Antworten der Gelähmten unterscheiden. Eine Weltsensation, die sich jetzt als falsch herausgestellt hat. Einen ersten Hinweis auf mögliche Fehler in der Studie gab ein ehemaliger Mitarbeiter bereits 2018.

Vorwürfe konnten nicht entkräftet werden

Die DFG hatte im April ein Verfahren wegen Verdachts des wissenschaftlichen Fehlverhaltens eingeleitet. Voruntersuchungen im Jahr 2018 hätten die Vorwürfe gegen Birbaumer nicht entkräften können, sagte ein Sprecher. Dass sich der DFG-Hauptausschuss mit solchen Fragen befasst, ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang. Denn es kommt selten vor, dass einem international angesehenen Wissenschaftler Täuschung oder gar Betrug unterstellt werden.

"Unzulänglichkeiten bei der Publikation"

Nach der Entscheidung der DFG räumte Birbaumer "Unzulänglichkeiten bei der Publikation" ein. Die Untersuchungen der schwer kranken Menschen hätten immer wieder unterbrochen werden müssen, weil der Zustand der Patienten dies erfordert habe. Deshalb sei unter anderem nicht jeder einzelne Schritt der Datenauswertung beschrieben und durch begleitende Videoaufnahmen dokumentiert worden, räumte Birbaumer ein.

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