Prozess am Tübinger Landgericht wegen versuchtem Mord Polizistin wollte Ehemann vergiften

Am Landgericht Tübingen hat der Prozess gegen zwei Polizistinnen wegen versuchten Mordes begonnen. Die Hauptangeklagte gab zu, dass sie ihren Ehemann vergiften wollte.

Zuhörer im Schwurgerichtssal am Landgericht Tübingen (Foto: SWR, Andrea Schuster)
Am Freitag hat der Prozess am Tübinger Landgericht gegen zwei Polizistinnen begonnen. Andrea Schuster

Die Angeklagte hat ihrem Ehemann im Februar Medikamente und danach eine Insulinspritze verabreicht. Dies räumte die 40-jährige Angeklagte zu Prozessbeginn ein. Die Ehe sei zerrüttet, sie selbst völlig verzweifelt gewesen. Eigentlich habe sie das Insulin für sich selbst beschafft. Doch als ihr Mann am Tag vor der Tat damit gedroht habe, die Scheidung einzureichen und ihr die beiden Kinder wegzunehmen, "hat es bei mir den Schalter umgelegt", sagte sie.

Mordpläne per SMS geäußert

Gegen diese Version spricht ein wochenlanger reger SMS-Verkehr mit einer anderen Polizistin, in dem von Mordplänen die Rede ist. Zitat Staatsanwalt aus dem Chat-Protokoll: Die Mittäterin schrieb: "Also bringen wir ihn doch um." "Meine Rede", antwortete die Ehefrau. Die Mitangeklagte ist Diabetikerin und hat ihr offenbar das Insulin beschafft. Die 42-Jährige will sich erst später äußern.

Rettung durch Notarzt

Dem Opfer wurde die Spritze als Vitaminspritze ausgegeben. Davor bekam der Mann im Orangensaft Beruhigungsmittel. Die Tortur dauerte mehrere Tage. Laut Staatsanwalt rief der Sohn schließlich den Notarzt. Der 52-Jährige kam mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus. Nachdem er sich erholt hatte, erstattete er wenige Tage später Anzeige gegen seine Ehefrau. Die 40-jährige Polizistin sitzt seither in Untersuchungshaft.

Hilfe von einer Kollegin?

Vier Monate später nahm die Kripo eine weitere Polizistin des Präsidiums Reutlingen fest. Sie wird verdächtigt, ihrer Kollegin bei dem Mordversuch geholfen zu haben. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage angesetzt.

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