zwei Schauspielerinnen des Tonne-Theaters spielen in einer Kulisse aus ausgeleuchteten Betonquadern (Foto: Theater in der Tonne)

Übergriffe in der eigenen Familie Reutlinger Theater zeigt Stück über sexuellen Missbrauch

Das Tonne Theater Reutlingen wagt sich an ein schwieriges Thema: sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der Familie. Ein Problem, das wohl viele Familien betrifft.

Das Stück heißt "Tätowierung". Es stammt von der deutschen Dramatikerin Dea Loher. Es geht um eine nach Außen ganz normale Familie: Vater, Mutter, zwei Töchter. Der Vater, ein angesehener Mann, vergeht sich nachts an der älteren Tochter, tags bringt er ihr Geschenke. Die jüngere Schwester neidet der Älteren die Geschenke, die Mutter schaut weg. Alle schweigen.

Keine realistischen Übergriffe

"Wir zeigen keine realistischen Übergriffe. Den sexuellen Missbrauch inszenieren wir nur als Kopfkino für die Zuschauer", so beschreibt Regisseur und Tonne-Intendant Enrico Urbanek das Stück.

Drei Schauspielerinnen und ein Schauspieler des Tonne-Theaters während der Hauptprobe zu "Tätowierung" (Foto: Theater in der Tonne)
Anne Leßmeister, David Liske, Nina-Mercedes Rühl und Chrysi Taoussanis bei der Hauptprobe (18.2.19) zum Stück Tätowierung Theater in der Tonne

Raus aus der Tabuzone

Der meiste Missbrauch findet zu Hause statt, ausgeübt von nahestehenden Vertrauten, wodurch es umso schwerer wird, sich davon zu befreien, schreibt das Reutlinger Theater in der Tonne über sein neues Stück. Es will damit das Thema enttabuisieren.

Viele betroffene Kinder

Fachleute schätzen, dass es in jeder Schulklasse durchschnittlich zwei von sexuellem Mißbrauch betroffene Kinder gibt. Alle seien verstrickt in die nach Außen geheim gehaltenen Vorgänge in der Familie.

Beratung im Theater

"Tätowierung" ist ein seit Jahren auf vielen Bühnen gespieltes Stück. Bei den Reutlinger Aufführungen stehen Mitarbeiterinnen des "Weißen Rings" und der Reutlinger Beratungsstelle "Wirbelwind", die sich um Opfer sexuellen Missbrauchs kümmert, als Ansprechpartnerinnen bereit. Das neue Stück wird im Reutlinger Tonne Theater mehrmals bis 19. März gespielt.

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