Tübinger Oberbürgermeister hat ärger mit Studenten (Foto: picture-alliance / dpa, SWR, Silas Stein)

Nach Auseinandersetzung mit Studenten Tübinger OB Palmer rechtfertigt sein Verhalten

Der Tübinger Oberbürgermeister und ein Student hatten auf offener Straße einen heftigen Streit, an dessen Höhepunkt Palmer die Personalien des Mannes kontrollieren wollte. Jetzt hat sich Boris Palmer gerechtfertigt.

Der Vorfall hat sich bereits vor zwei Wochen ereignet. Laut Boris Palmers (Grüne) Darstellung war der Oberbürgermeister von dem Studenten spät abends auf der Straße beleidigt worden. Nachdem Palmer ihn deshalb zur Rede gestellt hatte, gab es einen lautstarken Streit. In der Folge forderte der Oberbürgermeister den Mann auf, ihm seine Personalien zu nennen oder seinen Ausweis zu zeigen. Der 33-jährige Student hingegen fühlte sich dadurch offenbar bedrängt. Er wandte sich an das "Schwäbische Tagblatt". Der Student und weitere Zeugen schilderten der Zeitung, dass Palmer aggressiv geworden sei.

Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte der 33-jährige Student am Montag, Palmer sei ihm und seiner Begleiterin in der Tübinger Innenstadt entgegengekommen. Der Student machte dabei nach eigenen Angaben eine Bemerkung wie "Oh je", als er den Oberbürgermeister sah. An den genauen Wortlaut erinnerte er sich aber nicht mehr. Daraufhin sei der Oberbürgermeister den beiden hinterhergelaufen, habe ihnen den Weg versperrt und Fotos gemacht, um die Personalien des Mannes aufzunehmen. "Wir haben versucht, ihm klarzumachen, dass wir darauf keine Lust haben. Er hat sich uns immer wieder in den Weg gestellt", sagte der 33-Jährige.

Zeugin: "Palmer hat gebrüllt und gebrüllt und gebrüllt"

Eine 26-Jährige, die an dem Abend ebenfalls zu Fuß in der Stadt unterwegs war, sagte der dpa, sie sei durch Rufe auf die Szene aufmerksam geworden und dorthin gelaufen. Der Oberbürgermeister habe sich mit bedrohlichen Gebärden vor dem Studenten aufgebaut. "Palmer hat gebrüllt und gebrüllt und gebrüllt", so die Augenzeugin. Hinterher habe sie Palmer über Facebook zu dem Vorfall kontaktiert. Er habe ihr dann in einer Nachricht geschrieben: "Der junge Mann hätte die Eier haben sollen, sich der Diskussion zu stellen."

Vorfall beschäftigt Gemeinderat

Palmer hat sich in einem Brief an die Gemeinderatsfraktionen für sein Verhalten gerechtfertigt. Weil er als Oberbürgermeister auch der Leiter der Ortspolizei sei, habe er das Recht zur Personenkontrolle. Der Student habe laut geschrien, und das sei nächtliche Ruhestörung. Dass der Student sich gewehrt habe, sei ein Zeichen dafür, dass die Akzeptanz gegenüber städtischen Ordnungskräften erschreckend gering sei.

"Die Einsicht in Fehlverhalten fehlt oft völlig."

Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne)

Er habe den Fall darüber hinaus mit der Leitung der städtischen Ordnungsbehörde besprochen und wollte wissen, welche Erfahrungen der kommunale Ordnungsdienst in solchen Fällen macht. "Mir wurde berichtet, dass selbst uniformierte Kräfte häufig mit Widerstand konfrontiert sind und Delinquenten den Versuch machen, sich der Feststellung der Personalien zu entziehen. Die Einsicht in Fehlverhalten fehlt oft völlig", schreibt Palmer in dem Brief an den Gemeinderat. Auf seiner Facebook-Seite rechtfertigte sich Palmer öffentlich:

Palmer-Debatte im Netz

In den sozialen Netzwerken wurde das Verhalten des Tübinger Oberbürgermeisters heftig diskutiert. Auf den Streit reagierten auch einige prominente Twitter-User mit viel Häme. Für Satiriker Jan Böhmermann ist Palmer der neue "deutsche Batman". Auch Ex-Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth twitterte über "Sheriff Palmer" und nutzte den Vorfall für einen Seitenhieb gegen ihre ehemalige Partei.

Dauer

Gegenüber dem SWR wollte Palmer sich am Montag nicht dazu äußern, was der Student genau gesagt hat. "Das war eindeutig despektierlich und abwertend. Und im Vorbeigehen darf man niemandem zuwerfen, was man von ihm hält", so Palmer.

Zu viel Lärm um Persönliches?

Ob man deswegen aber direkt nach den Personalien fragen muss und das Thema auch vor den Gemeinderat bringt - das finden die meisten befragten Tübinger dann doch übertrieben oder zu persönlich. Lediglich ein junger Mann zeigte Verständnis: "Palmer ist natürlich auch ein ganz normaler Mensch, der dieselben Rechte hat wie wir alle." In diesem Sinne dürfe auch ein Oberbürgermeister sich verletzt und beleidigt fühlen dürfen.

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