Stolpersteine (Foto: SWR, Anne Schmidt)

Stolpersteine in Tübingen Schicksal jüdischer Familien

Mit dem Judenboykott 1933 fing die Verdrängung deutscher Juden aus dem Wirtschaftsleben an. Auch Tübinger Familien waren betroffen. Stolpersteine erinnern jetzt an sie.

Stolpersteine (Foto: SWR, Anne Schmidt)
Stolpersteine in der Tübinger Innenstadt Anne Schmidt

In der Tübinger Innenstadt auf dem Holzmarkt sind nun Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt worden. Der Künstler Gunter Demnig will damit an Mitglieder der jüdischen Familien Oppenheim und Schäfer erinnern. Sie mussten ihr Modegeschäft in Tübingen unter Wert an einen NSDAP-Stadtrat verkaufen.

Familie wurde ermordet

Jakob Oppenheim war einer der erfolgreichsten und angesehensten Kaufleute in Tübingen. Als Letzter der Tübinger Juden gelang ihm 1940 zusammen mit seiner Frau Karoline die Flucht nach Amerika. Familie Schäfer hatte weniger Glück. Sie wurde vom NS-Regime ermordet.

Freundin erinnert sich

Die heute 94-jährige Jüdin Doris Doctor, geborene Bernheim, war eine Freundin von der Tochter des Kaufmanns, Lieselotte Schäfer. Doctor verließ mit zwölf Jahren Deutschland. "Da bin ich mit einer Verwandten nach England geschickt worden. Meine Eltern sind mit dem letzten Schiff nach Amerika gekommen," sagte die 94-Jährige bei der Stolpersteinverlegung.

Außer Doris Doctor verfolgten viele andere Leute die Verlegung der Steine auf dem Holzmarkt. Aus England, USA, Frankreich und Israel waren 26 Angehörige angereist, um bei der Zeremonie dabei zu sein.

Private Initiative steht hinter Aktion

Auch Schüler der Geschwister-Scholl-Schule. Sie hatten die Biografien der Opfer erarbeitet. Eine private Initiative hatte sich für die Stolpersteinverlegung eingesetzt. Die Aktion wird durch Spenden finanziert.

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