Nach zehn Jahren Leerstand Wieder Hausbesetzung in Tübingen

Tübingen gilt als Vorreiter beim Versuch, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Den Aktivisten, die sich "die Gärtner*innen" nennen, gehen die Bemühungen der Stadt aber nicht weit genug.

Die Lage in Tübingen sei angespannt, sagen die Besetzer, bei der sozialen Wohnungspolitik müsse sich deshalb etwas ändern. Das Haus, das sie am Freitagmorgen besetzt haben, steht seit zehn Jahren leer. Wie rund 150 weitere Häuser und zahlreiche Wohnungen in der Stadt, sagen die Aktivisten.

besetztes Haus in der Gartenstrasse in Tübingen (Foto: SWR, Betina Starzmann)
Seit Freitagmorgen ist das Haus in der Tübinger Gartenstraße besetzt Betina Starzmann

Treffpunkt geplant

Ihr Ziel sei es, das besetzte Haus in der Tübinger Gartenstraße wieder zum Leben zu erwecken, schreiben sie auf ihrer Internetseite. Die Stadt habe bereits vergeblich versucht, es zu kaufen. Vor ein paar Jahren ist es schon einmal besetzt worden, ohne Folgen. Plan der Besetzer ist es, einen zentralen Treffpunkt mit einem Café in dem Gebäude einzurichten.

Forderung nach Wohnraum

Gleichzeitig fordern sie, dass die Stadt alle Handlungsmöglichkeiten ausreizt. Außerdem wollen sie Gesetze, die zur Bewältigung der Wohnungsnot in Bund und Land beitragen könnten.

Legalisierung als Ziel

Sogenannte Instandbesetzungen sollen nach dem Willen der "Gärtner*innen" legal werden. Bei solchen schaffen Aktivisten aus leerstehenden Gebäuden neuen Wohnraum, indem sie gleich mit Reparaturarbeiten beginnen. In solchen Fällen dürfte nach ihrem Willen nur dann geräumt werden, wenn die Eigentümer nachweisen können, dass der Leerstand bald beendet sein wird.

Stellungnahme der Stadt

Nach Angaben der Stadt war Rainer Kaltenmark, Leiter des Ordnungsamts, gleich am Freitagvormittag in dem besetzten Haus und hat mit den Aktivisten gesprochen. Die Stadt sieht in der Besetzung kein geeignetes Mittel, heißt es in einer Mitteilung. Grundsätzlich wolle man aber auch Leerstand vermeiden und Wohnraum schaffen.

Die Stadt will nun erst einmal abwarten und die Entwicklung beobachten. Laut Kaltenmark plant die Besitzerin, das Haus zu verkaufen.

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