Niels Birbaumer (Foto: SWR)

Trotz schwerer Vorwürfe Tübinger Hirnforscher hält an Ergebnissen fest

Der 74-jährige Hirnforscher, Niels Birbaumer, will weiter forschen. Er werde seine umstrittene Studie nicht zurückziehen. Das stellte er nach Verkünden des Urteils der Deutschen Forschungsgemeinschaft klar.

Dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG, jetzt so konsequent gegen Birbaumer vorgeht, hat den Pressesprecher der Universität Tübingen, Karl Guido Rijkhoek, überrascht. Das sei schon eine ungewöhnliche Entscheidung, so Rijkhoek. Eine Kommission der Universität Tübingen hatte Birbaumer bereits Ende Mai ebenfalls wissenschaftliches Fehlverhalten vorgeworfen. Sie war dabei sogar noch einen Schritt weiter gegangen als die DFG und hatte dem Hirnforscher unterstellt, er habe absichtlich Daten unter den Tisch fallen lassen. Die Universität hat angekündigt, die Seniorprofessur des 74-Jährigen nicht zu verlängern.

Birbaumer wird Universität verlassen

Birbaumer kündigte an, die Universität Tübingen zu verlassen. Betrug wollen oder trauen sich weder die DFG noch die Universität Tübingen in den Mund nehmen. Denn das wäre ein strafrechtlich relevantes Vergehen. Ebenfalls offen bleibt die Frage, ob Birbaumer wirklich mit gelähmten Patienten kommuniziert hat oder nicht. Beide Fragen könne kaum jemand beurteilen, so Pressesprecher Rijkhoek.

Weitere Studie angekündigt

Für Niels Birbaumer steht fest: ja, er habe Fehler im Umgang mit wissenschaftlichen Daten begangen. Er werde die Gespräche mit den gelähmten Patienten künftig immer komplett aufzeichnen, um dann auch erklären zu können, warum manche Daten eben nicht in seine Studien einfließen. Zum Beispiel, weil es technische Pannen gab oder weil der Patient während einer Sitzung nicht mehr reagierte. Der 74-Jährige hat bereits eine weitere Studie angekündigt, die seine bisherigen Forschungsergebnisse untermauern soll. Künftig werde er in der Schweiz weiter forschen, an einem Forschungszentrum in Genf, für das er bereits jetzt tätig ist.

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