Traditions-Café - unverändert seit 60 Jahren Ernst und Heinrich feiern das Hanse in Tübingen

Ernst Mantel und Heiner Reiff sind Stammgäste im Tübinger Café Hanseatica, meist liebevoll Hanse genannt. Zum Jubiläum gab's einen kleinen und feinen Auftritt des Künstlerduos, mit Sketchen und Musik.

Früher thronte eine große Registrierkasse auf den Tresen des Café Hanse. Dass sich daran heute so viele Menschen wehmütig erinnern, liegt vielleicht auch daran, dass sich sonst in 60 Jahren nicht viel verändert hat im Hanse. Da fällt ihr Fehlen mehr auf.

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Früher führten zwei resolute ältere Frauen in blauer Kittelschürze ein strenges Regiment und fragten ihr Gäste auch mal kritisch, ob die denn nun wirklich eine zweite Tasse Kaffee trinken müssten. Inzwischen ist die häufig lächelnde Yvonne Hammer Inhaberin des Lokals - auch das hat sich geändert.

Die Jungen Mitarbeiterinnen des Hanseatica beim 60-jährigen Jubiläum (Foto: SWR, Petra Geiling)
Das Café gibt es seit Jahrzehnten, die Mitarbeiterinnen sind jung. Die meisten studieren. Petra Geiling

Die Bakelit-Tische im Marmor-Look sind aber noch die alten, und es soll auch Stammgäste geben, die nie wieder zu kommen drohten, wenn die Tische je abgeschafft würden.

Heiner Reiff sieht das etwas anders: Sollten die Bakelit-Tische je rausfliegen, hätte er gerne einen, um sich eine Gitarre daraus machen zu lassen. Gleichzeitig aber hofft er, dass zu seinen Lebzeiten keine so einschneidenden Veränderungen passieren.

Das Hanse ist ein zentrales Stück Heimat und Tübingen für mich.

Heiner Reiff, Musiker

Zum Hanse gehören auch die Stammtische, nach denen man die Uhr stellen könnte - je nach Tag und Zeitpunkt findet man immer dieselben Menschen an den selben Tischen, die von der Atmosphäre zum gemeinsamen Philosophieren angeregt zu werden schienen.

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Eine beliebte Sketch-Serie von Ernst Mantel und Heiner Reiff, die lange Zeit regelmäßig bei SWR4 Baden-Württemberg aus dem Studio Tübingen lief, ist am Fenstertisch des Hanse entstanden. Da stehen die beiden Schwaben und beobachten die Menschen - trinken eine Tasse und schauen auf die Gasse.

Dabei entstehen Dialoge, die Ernst Mantel als gehobenen Schwachsinn mit Tiefgang bezeichnet, die gleichzeitig aber feinsinnige, wenn auch oft leicht absurde, sprachlich äußerst präzise gehaltene Gedanken enthalten.

Café Hanseatica mit allerlei Kaffespezialitäten (Foto: SWR, Petra Geiling)
Ein bisschen wie ein Kaufladen alter Zeiten - auch den Kaffee für zuhause bekommt man im Hanse. Petra Geiling

Zum 60sten Geburtstag haben Ernst und Heinrich, unterstützt vom SWR, eine halbe Stunde Programm für die Gäste gemacht - für die, die ihretwegen gekommen, und für die, die gerade zufällig da waren.

Keine große Sache: "Kurz, knapp und treffend", freute sich der Mann der Inhaberin. Ein Programm mit Sketchen und Musik, genau passend für die Dauer einer sehr gemütlichen Tasse Kaffee oder Tee.

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