Bahnverkehr Tübingen (Foto: SWR, Harry Röhrle)

VCD-Studie zweifelt an Halbstundentakt beim Stuttgarter Tiefbahnhof Neckar-Alb-Region fühlt sich abgehängt

Neue Unruhe rund um den Bahnhof S21. Der soll laut einer Studie des Verkehrsclubs doch nicht so zukunftsträchtig sein. Einige Regionen fühlen sich abgehängt - auch die Neckar-Alb-Region.

Weil die Zahl der Gleise auf acht begrenzt ist, soll der Bahnhof, nicht für den geplanten Deutschlandtakt geeignet sein. Das hat eine Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) ergeben. Bei dem sollen in einem engen und regelmäßigen Takt schnelle Züge zwischen den Metropolen fahren. Wenn der neue Bahnhof in der Landeshauptstadt tatsächlich den Deutschlandtakt nicht meistern kann, dann hat das erhebliche Auswirkungen auf die Region, sagt Tübingens OB Palmer:

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

"Was man an Fahrzeit gewinnt, durch die Neubaustrecken, geht verloren an Wartezeiten durch Herumlungern im Stuttgarter Bahnhof. In der Summe ist man genauso lang unterwegs wie bisher. Dafür ist es doch ziemlich teurer."

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer

Kritik kommt auch von Politikern, deren Parteien Stuttgart 21 von Beginn an unterstützt haben. Etwa von Reutlingens SPD Oberbürgermeister Thomas Keck:

"Ich sehe in der Tat die Gefahr, dass das, was man uns zugesagt hat, also eine verbesserte Anbindung an die Landeshauptstadt Stuttgart, eventuell nicht kommen wird. Das wäre für den Großraum Reutlingen Tübingen in keiner Weise hinnehmbar."

Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck

Laut VCD seien die acht Gleise des künftigen Stuttgarter Tiefbahnhofs zu wenig, um die Zahl der Fernzüge zu bewältigen, die aus anderen Metropolen Deutschlands, alle 30 Minuten zur gleichen Zeit einfahren. Die Folge für den Regionalverkehr: Die Wartezeiten für die Anschlusszüge werden länger. Wer von Tübingen nach Karlsruhe möchte, müsse in Stuttgart dann fast eine halbe Stunde warten, so der VCD.

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Deutsche Bahn widerspricht

Stimmt nicht, sagt die Deutsche Bahn. Der Stresstest vor ein paar Jahren und eine weitere Untersuchung hätten gezeigt, dass der Durchgangsbahnhof ausreichend Kapazität für den Halbstundentakt habe und dazu sogar noch Verspätungen abbauen könne. Das glaubt auch Tübingens Landrat Joachim Walter. Er hat weiterhin Vertrauen in die Bahn:

"Ich bin überzeugt, bis dieser Bahnhof fertig ist, werden noch hundert Gutachten auf den Markt geworfen, die irgendwas belegen sollen."

Der Tübinger Landrat Joachim Walter

Eine mögliche Lösung hat Landesverkehrsminister Winfried Hermann schon parat. Einen Kopfbahnhof light mit zusätzlichen Gleisen, um mehr Zügen Einfahrtsmöglichkeiten zu bieten. Damit würde er auch nicht das Städtebaukonzept von Parteifreund und Stuttgarts OB Fritz Kuhn durchkreuzen. Egal was jetzt passiert, Reutlingens OB fordert höchste Flexibilität:

"Dann erwarte ich von der DB, dass sie dem Rechnung trägt und dass sie ihr bisheriges Konzept kritisch hinterfragt und überarbeitet. Dann kann man vielleicht noch was gut machen."

Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck

Sicher ist: Bei Stuttgart 21 läuft vieles nicht rund. Fast alle Bedenken erwiesen sich bislang als wahr. Wer weiß, was als nächstes kommt. Boris Palmer jedenfalls zieht nach dem neuesten Tiefschlag für den Tiefbahnhof ein persönliches Fazit:"Wir können alles außer Bahnhof".

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