Eine Innenansicht der kunstvoll verzierten Decke der Synagoge in Baisingen. (Foto: SWR, Lenny Zuber)

Synagoge in Rottenburg-Baisingen Schüler gedenken der Pogromnacht vor 80 Jahren

SA-Leute haben die Synagoge in Baisingen (Kreis Tübingen) am 10.11.1938 demoliert. Sie konnte restauriert werden und ist seit 20 Jahren ein Museum. Gymnasiasten erinnern an damals.

Die Synagoge in Rottenburg-Baisingen gehört zu den best erhaltenen Synagogen auf dem Land. Das alte Scheunengebäude steht im Hinterhof und ist von anderen Häusern umstellt. Es ist zu einem Museum mit Schautafeln, Gebetsbuch und Thorawimpeln umgebaut worden. Die Decke ist blau getüncht mit schwarzen Sternchen und goldenem Davidstern.

Gedenken wach halten

Jedes Jahr organisieren Gymnasiasten des Rottenburger Paul-Klee-Gymnasiums zusammen mit der Musikschule eine Veranstaltung zur Pogromnacht. Für viele ist es der erste Besuch in einer jüdischen Religionsstätte. Alle sind überzeugt davon, dass es wichtig ist, der Pogromnacht zu gedenken. "Echt krass, dass das so nah ist", sagte am Freitag eine Schülerin. Eine andere kann es nicht verstehen, dass Menschen wegen ihrer Religion unterdrückt werden. Ein Schüler sieht Parallelen in der Gegenwart:

"Geschichte scheint sich zu wiederholen, dass Parteien irgendwo faschistische Züge haben. Dass Lehrer gemeldet werden sollen, die sich schlecht über eine Partei äußern. Und deswegen ist es ganz wichtig, dass man an solche Ereignisse wie die Reichspogrogramnacht erinnert."

Schüler des Rottenburger Paul-Klee-Gymnasiums

Mit eigenen Texten erinnern die Schülerinnen und Schüler daran, dass SA-Leute damals, am 10. November 1938, die Synagoge demolierten. Alles was nicht niet-und nagelfest war, beispielsweise Möbel und Einrichtungsgegenstände, zerrten die paramilitärischen Sturmtrupps ins Freie und verbrannten sie. Die Synagoge selbst wurde zum Glück nicht angezündet - um benachbarte Häuser nicht zu gefährden.

20-jähriges Bestehen

So konnte vom ursprünglichen Gebäude viel erhalten bleiben und die Synagoge als Museum eingerichtet werden. Am Samstag feiert die Gedenkstätte 20-jähriges Bestehen.

STAND